Nackte Frau im Schrank

24. September 2003, 18:06
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Kunst im Hotel made in Vienna

Susanne und Rainer Scheithauer sind die Besitzer und Betreiber des Hotels Kunsthof Reichshof in der Wiener Leopoldstadt.

STANDARD: Sie haben aus dem Reichshof, einem spätklassizistischen Bau, der sich seit 1897 in Familienbesitz befindet, den "Kunsthof" gemacht. Wie kam es dazu?

R. Scheithauer: Unser Zugang zur Kunst im Hotel ergab sich über den Fotografen Fritz Simak. Das private Kaufen und Sammeln seiner Werke hat sich im Hotel niedergeschlagen, dann sind immer mehr Arbeiten anderer Künstler dazugekommen.

STANDARD: Wie kommen Sie zu den Kunstwerken und nach welchen Kriterien wählen Sie sie aus?

R. Scheithauer: Wir können nicht alles gleich kaufen, derzeit gibt es eine Zusammenarbeit mit der Galerie Lang in Form von Leihgaben, aber auch an eine Kooperation mit Museen, wie das große Häuser auf der ganzen Welt schon tun, ist gedacht.
S. Scheithauer: Natürlich lassen wir uns von der Galerie bei der Auswahl beraten, aber im Einzelfall haben wir deren Rat auch schon nicht befolgt. Kunst darf in unserem Haus nämlich provozieren, wir sind nicht der Meinung, dass man die Gäste ja nicht aufregen darf.

STANDARD: Gab es schon Beschwerden über die ausgestellten Werke?

S. Scheithauer: Nicht direkt. Einmal dachten wir, die Fotoarbeit "Blue Bath" von Fritz Simak sei weg, aber dann haben wir sie mit der Vorderseite nach unten im Schrank gefunden. Das Bild zeigt eine nackte Frau im Wasser.

STANDARD: Haben Sie Vorbilder für Ihr Kunst-im-Hotel-Konzept?

R. Scheithauer: Vorbilder nicht direkt, aber Orte, die man schätzt wie das Hotel Weinstock in Luzern oder das Gershwin in New York.
S. Scheithauer: Art-Hotels schießen derzeit ja nur so aus dem Boden. Von den Häusern, die Art im Namen tragen, bloß weil sie drei Designersessel reinstellen, möchte ich mich wirklich distanzieren.

STANDARD: Kann man die Arbeiten hier im Haus auch kaufen?

R. Scheithauer: Die meisten Werke sind käuflich erwerbbar, die Preise gibt es auf Nachfrage. Wir verstehen das nicht als Verkaufsausstellung. Für uns ist Kunst ein Imageträger, der uns hilft, uns anders darzustellen - und eine Bereicherung für die Gäste ist sie natürlich auch.
S. Scheithauer: Das Projekt soll schon in die Fördererrichtung gehen, d.h. Künstler können bei uns auch zu besonderen Konditionen wohnen, und wenn sich daraus eine Kooperation ergibt, ist das auch gut.

STANDARD:Sind Kunstinteressierte die angenehmeren Gäste?

R. Scheithauer: Nein, aber man kommt leichter ins Gespräch.
(Der Standard/rondo/12/09/2003)
Das Gespräch führte Tanja Paar

Info
www.reichshof.at; Tel. 01/214 31 78

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