Privatisierungsdetails mit Spannung erwartet

11. September 2003, 09:18
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ÖIAG legt am Donnerstag die Karten in Sachen Börsegang offen - Noch immer kursieren verschiedenste Varianten - Preisbildungsphase beginnt am Freitag

Wien - Am Donnerstag wird die Staatsholding ÖIAG mit der Vorstellung des Emissionsprospektes die Karten für die Privatisierung der Voestalpine AG offen legen. Nach dem ÖIAG Aufsichtsratsbeschluss aus der Vorwoche, den Verkauf des 34,7-prozentigen Staatsanteils an dem Stahlkonzern zur Gänze über die Börse abzuwickeln, kursieren die verschiedensten Varianten, in welcher Form der Auftrag umgesetzt werden könnte. Bekanntlich gibt es die Regierungsauflage, dass eine österreichische Kernaktionärsstruktur sowie eine Absicherung der Konzernzentrale und der Forschung im Inland zu berücksichtigen ist.

Unterschiedliche Modelle

Um die Kernaktionärsstruktur ranken sich verschiedene Modelle, nicht zuletzt beeinflusst durch den Landtagswahlkampf für die Oberösterreich-Wahlen am 28. September. Die Idee einer "Verländerung", dass das Land Anteile des Bundes an der voestalpine übernehmen sollte, hat Finanzminister Karl-Heinz Grasser gestern abgelehnt. Auch Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl hält von einem Einstieg des Landes nichts. Er plädierte gestern dafür, das zu tun, was der voestalpine hilft und was die Unternehmensleitung will.

Im Vorfeld haben sich drei Pakete für die zum Verkauf stehenden 39,424 Millionen voestalpine-Aktien abgezeichnet. Ein Paket von 10 Prozent, das über die Börse an institutionelle Investoren abgegeben wird. Rund 15 Prozent soll eine Wandel- bzw. Umtauschanleihe beanspruchen, für die sich die ÖIAG ein späteres Umtauschrecht nach der dreijährigen Laufzeit aber vorbehalten will. Das heißt, Zeichner der Anleihe könnten diese am Ende nicht in voestalpine-Aktien eintauschen, wenn die ÖIAG ihren Vorbehalt geltend macht. In jedem Fall bedeutet die Anleihe eine zeitverzögerte Privatisierung, solange die ÖIAG den rund 15-prozentigen Anteil weiter in ihrem Portefeuille hält.

Aufstockung der Mitarbeiterbeteiligung

Die dritte Schiene wäre eine Aufstockung der Mitarbeiterbeteiligung, die über einen Mitarbeiter-Beteiligungsfonds gehalten wird, von derzeit rund 6,5 auf 10,2 Prozent. Dabei sollen die Mitarbeiter einen 10-prozentigen "Naturalrabatt" in Aktien erhalten. Mit dem für die Wandelanleihe reservierten ÖIAG-Paket wäre bei den genannten Quoten bereits eine Sperrminorität von über 25 Prozent gewährleistet, womit eine unfreundliche Übernahme verhindert werden könnte.

Die knapp 10 Prozent, die in diesem Fall über die Börse an institutionelle Investoren verkäuflich wären, hätten nur mehr eine Aufrundung dieser Sperrminorität zur Folge, meinen Beobachter. Für dieses Paket versucht der Chef der Raiffeisen Landesbank Oberösterreich (RLB OÖ), Ludwig Scharinger, ein Interessenkonsortium zu formieren, um bei der voestalpine einen möglichst hohen Oberösterreich-Anteil zu sichern. Dafür kämen etwa die Linzer Oberbank, die Landes-Hypo oder die Energie AG in Betracht. Inklusive Mitarbeiterbeteiligung könnte so der Oberösterreich-Anteil an voestalpine 30 Prozent und der gesamte Anteil inländischer Aktionäre mehr als 50 Prozent erreichen, sagte gestern der OÖ Landeshauptmann Josef Pühringer (V).

Kleinanleger?

Für eine Emissionstranche für Kleinanleger wäre bei diesem Modell kein Platz, auch die Umtauschanleihe wäre mit einer großen Stückelung nur für Institutionelle von Interesse. Zudem wäre die Vorbereitungszeit für die Emission einer "Volksaktie" viel zu kurz, da dem Vernehmen nach die Zeichnungsfrist mit Ende der Bookbuilding-Phase (12. bis 18. September) bereits beendet sein soll. Die "Oberösterreichischen Nachrichten" berichten heute jedoch, dass vier Prozent für Kleinanleger reserviert sein sollen.

Während des Bookbuilding sammelt die ÖIAG Angebote für die voestalpine-Aktien im Rahmen einer Preisspanne (mutmaßlich 33 bis 40 Euro), innerhalb der Interessenten aus dem In- und Ausland Angebote legen können. Begleitet von einer Werbetour der Emissionsbank JP Morgan und der unterstützenden Erste Bank, die großen internationalen Investoren die voestalpine-Aktien anbieten werden. Im Inland wird die ÖIAG versuchen, potenzielle "Kernaktionäre" zu interessieren. Bei dem Verfahren wird dann jener Emissionpreis ermittelt, zu dem die meisten Kaufangebote vorliegen.

Suche nach "Strohmännern"

Dabei wird jedoch nach der "Qualität" der Investoren unterschieden. Vor allem wird darauf geachtet, ob ein Investor nur auf rasche Gewinnmitnahme aus ist oder die Aktie als langfristiges Investment betrachtet. "Strohmänner", die für strategische Investoren auftreten, die von der Privatisierung ausgeschlossen sind, müssen von den Investmentbankern erkannt und aussortiert werden. Der ÖIAG-Aufsichtsrat muss letztlich, am 18. September abends, entscheiden, wer zum Zeichnungstermin 19. September wie viele Aktien an der Börse kaufen darf. (APA)

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