Eine Amerikanerin in Wien

15. September 2003, 17:58
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Lisa Ruyter übersiedelte von New York nach Wien und eröffnet mit Videos ihre Galerie im Schleifmühlviertel

Sie macht Kunst, sammelt Kunst und verkauft Kunst anderer Künstler. Lisa Ruyter (35), deren vibrierende Farbfelder derzeit in der Galerie Kargl zu sehen sind, übersiedelte von New York nach Wien und eröffnet am 11. September mit Videos von Brice Dellsperger ihre Galerie im Schleifmühlviertel.


Wien - Auf ihren Malereien treffen knallige, mit dünnem Stift schwarz geränderte Flächen aufeinander. Das eine mag mit dem anderen zuerst nichts zu tun haben, doch im Ganzen gesehen fügt es sich zu einem Bild. Was für die - an Warhols Weiterführung von "Painting by Numbers" erinnernden - Bilder der Lisa Ruyter gilt, steht auch für ihre Person als Ganzes.

Die New Yorker Künstlerin, 35, ist ebenfalls Sammlerin und nun auch Galeristin. Wieso in Europa, wieso in Wien? "Ich habe schon eine Vergangenheit hier", meint die international präsente Malerin, die ihre Galerie vom Verkauf ihrer Bilder unterhält. Georg Kargl, bei dem sie derzeit eine Soloschau bestreitet und der sie neben Thaddäus Ropac in Österreich repräsentiert, hatte ihre allererste Schau (mit Christian Meyer) 1993 im Wiener Heiligenkreuzerhof eingefädelt. Der Preis ihrer bis zu zweieinhalb Meter großen Gemälde rangiert zwischen 13.200 und 46.000 US-Dollar. "In der Verbindung von visuellen Archetypen und farbig nachgezeichneten Fotos führt uns Lisa Ruyter die Verflachung unserer eigenen Wahrnehmung vor Augen", heißt es in Zusammenhang mit dem 2002 bei Walter König verlegten Buch von Lisa Ruyter/Jack Miles, Stations of the Cross.

"Warum Wien und nicht Berlin?", war Ruyter in den Staaten oft gefragt worden. Ihrer Meinung nach ist Wien "mit seinen Institutionen kulturell viel interessanter", in Berlin gäbe es kein Wachstum mehr. "It feels right", in Wien zu sein, in Zentraleuropa, so Ruyter, die von hier aus auch die Kunst der neuen EU-Länder wie Polen oder Ungarn unter die Lupe nehmen will - auch die baltischen Länder seien interessant. Vorerst schöpft Ruyter noch aus ihrer Vergangenheit, das heißt aus der in Chelsea mit ihrem Exgatten betriebenen Team Gallery, deren von ihr gestellte Künstler sie teilweise auch in Wien ausstellt.

Den Anfang macht der von Air de Paris vertretene Künstler Brice Dellsperger, von dem Ruyter zwei Videos zeigt. Geplant sind auch Schauen der Fotografen Miles Coolidge und Justin Kurland sowie Malereien von Benjamin Butler. Generell will sie Leute ausstellen, die sonst hier nicht überall gezeigt werden, "junge Kunst, auch Experimentelles oder Soundkünstler". Auch der Fokus auf Video solle beibehalten bleiben, so die Künstlerin-Sammlerin-Galeristin: "Es entstehen immer mehr große Videosammlungen, das wird auch hier verstärkt passieren."

Ruyter redet wie ein Wasserfall und gerne, wenn es um die Kunst anderer Künstler geht. "Vielleicht habe ich auch deshalb zu sammeln und zu verkaufen begonnen", meint die Neogaleristin, die Wert darauf legt, dass ihr Straßenlokal, ein ehemaliger Teppichladen, kein "Künstlerprojekt" darstellt: "Ich profitiere stark von den anderen Künstlern." Messeteilnahmen sind vorerst nur geplant. Tüchtig, diese Frau Ruyter. Sie schmunzelt. "Manche nennen das auch verrückt." (DER STANDARD, Printausgabe, 11.9.2003)

Von
Doris Krumpl

Link

www.lisaruyter.com

Termin

Galerie Lisa Ruyter, 4., Wiedner Hauptstr. 23-25, Tel.: (01) 505 61 00. Eröffnung Brice Dellsperger 11.9., 19.00, gemeinsam mit ihrer Personale in der Galerie Kargl sowie den weiteren Galerien der Schleifmühlgasse, und zwar Senn, König und Engholm.
  • Still aus dem  Video "Body Double 17" (2001) von Brice Dellsperger, 
mit dem (u.a.) die Galerie Ruyter eröffnet.
    foto: courtesy galerie lisa ruyter

    Still aus dem Video "Body Double 17" (2001) von Brice Dellsperger, mit dem (u.a.) die Galerie Ruyter eröffnet.

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