Italiens Linke will Prodi an Spitze neuer Reformenbewegung setzen

12. September 2003, 15:10
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Mitte-Links-Gruppierung soll Berlusconis Bündnis bei Europawahlen besiegen

Rom - Am Ende seines Mandats in Brüssel winkt dem EU-Kommissionspräsidenten Romano Prodi eine Zukunft als Chef einer neuen Mitte-Links-Bewegung, die im Hinblick auf die Europawahlen 2004 gegründet werden soll. Die Linke drängt Prodi, die Gründung einer einheitlichen Mitte-Links-Bewegung in die Wege zu leiten, die die italienische Opposition bei den Europawahlen zum Erfolg führen soll. Prodi hatte bereits 1996 an der Spitze des Mitte-Links-Bündnisses Ulivo (Ölbaum) die Parlamentswahlen gegen Silvio Berlusconi gewonnen und bis Oktober 1998 Italien regiert.

Die Unterstützung Prodis sei für einen Erfolg bei den entscheidenden Europawahlen ausschlaggebend, wird in römischen Linkskreisen betont. Die Europawahlen würden dann ein Test in Hinblick auf die Parlamentswahlen 2006 sein, bei der sich die Linke eine Revanche gegen Berlusconi hofft, so der Bürgermeister von Rom Walter Veltroni, der zu den Sponsoren der Initiative zählt.

Anti-Berlusconi-Block

Die Gründung einer einheitlichen Mitte-Links-Liste, an der sich ohne Parteisymbole alle Gruppierungen des Ulivo beteiligen sollen, beschäftigt die Opposition seit Wochen. Im Juli hatte Prodi die Linke aufgerufen, einen soliden Anti-Berlusconi-Block in Hinblick auf die Europawahlen aufzubauen. Oppositionschef Francesco Rutelli und der Vorsitzende der Linksdemokraten (DS stärkste Oppositionspartei), Piero Fassino, begrüßten Prodis Vorschlag, während andere Gruppierungen des Ulivo-bündnisses wie die Grünen, die katholische Udeur die altkommunistische Rifondazione und die Italienischen Kommunisten (PDCI) das Projekt ablehnten.

"Das Projekt einer einheitlichen Reformenpartei hätte mit Prodi als Chef enorme Erfolgschancen", meinte Veltroni. Er zeigte sich bereit, aktiv am Aufbau der neuen Reformpartei mitzuwirken, dementierte jedoch, dass er Regierungsambitionen habe. "Ich möchte um ein zweites Mandat als Bürgermeister der Hauptstadt werben", versicherte er. Bis Ende seines Mandats in Brüssel will Prodi trotz der Appelle aus Rom jedoch von der italienischen Politik fern bleiben. "Ich werde mein Mandat in Europa zu Ende führen. Für mich ist meine Arbeit in Europa eine Mission", meinte Prodi kürzlich.

Italien lässt ihm jedoch keine Ruhe. Täglich berichtet der zwielichtige Geschäftsmann Igor Marini über eine angebliche Verwicklung Prodis in den Skandal um die Telekom Serbia. Bei der Übernahme einer 30-prozentigen Beteiligung an der serbischen Telekom durch die Telecom Italia habe Prodi Schmiergelder kassiert, meint Marini. Prodi bestreitet jedoch die Vorwürfe heftig.

Der EU-Kommissionspräsident erklärte sich zum Opfer einer "politischen Kampagne". Seine Vertrauensmänner vermuten, dass das Berlusconi-Bündnis mit den Vorwürfen Prodi zu verunglimpfen versuche, weil dieser bei den nächsten Parlamentswahlen 2006 als Spitzenkandidat der Opposition gegen Berlusconi antreten will. (APA)

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    Romano Prodi, Hoffnung der Linken

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