"Ellis Island der Mode"

29. September 2003, 09:42
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Die Modewoche in New York hat begonnen - wer es auf dem amerikanischen Markt schaffen will, muss durch das Nadelöhr im Bryant Park schlüpfen

Wenn sich die weißen Zelte im New Yorker Bryant Park zum Auftakt der Modewoche für Designer, Publikum und internationale Presse öffnen, haben die Veranstalter ein kleines Jubiläum zu feiern. Vor zehn Jahren rief "7th on Sixth" (benannt nach dem Modeviertel in Manhattan) das halbjährliche Spektakel mit Models, Stars, Partys und Einkäufern ins Leben.

Die Organisation war 1993 gegründet worden, um wie es hieß, die in New York entstandenen Kollektionen "zu organisieren, zentralisieren und zu modernisieren". Sprich: für den globalen Modemarkt interessant zu machen, der traditionell aus Europa diktiert wird.

"Durch das Zusammenlegen unserer Modeindustrie haben wir amerikanischen Modemachern Aufmerksamkeit und Respekt verschafft, der vorher so nie da war", zieht Fern Mallis, Direktorin von "7th on Sixth", Bilanz. Neben großen amerikanischen Designernamen wie Calvin Klein, Donna Karan, Oscar de la Renta, Sean John, Ralph Lauren, Anna Sui, Badgley Mischka, Betsey Johnson und Vera Wang fanden auch innovative Modemacher aus Korea, Hongkong, Russland, Australien und Afrika eine Plattform für ihre Entwürfe.

"Die Zelte wurden zu Ellis Island der Mode", sagt deshalb auch Mallis stolz über den Modezirkus in der Immigrantenstadt New York. Wer es auf dem amerikanischen Markt schaffen will, muss sozusagen durch das Nadelöhr im Bryant Park schlüpfen und vor den kritischen Augen des New Yorker Publikums und vor allem der Mode-Ikone Anna Wintour standhalten, ihres Zeichens Chefredakteurin der amerikanischen Ausgabe des Magazins "Vogue" und stets an den Laufstegen präsent.

Große Worte, die weißen Zelte im Bryant Park, unweit der Luxus- Einkaufsstraße Fifth Avenue, mit der Einwanderungsinsel Ellis Island, dem historischen Tor in die USA, gleichzusetzen. Ob die zehn Jahre wirklich schon ausreichten, New York als Trendsetter gleichberechtigt neben Modezentren wie London, Paris und Mailand zu sehen, sei dahin gestellt. Für die Wirtschaft von New York scheint die Modewoche jedoch perfekt: Tausende von Besuchern bescheren der Stadt jährlich Einnahmen von 253 Millionen Dollar (227 Mill. Euro), schätzt "7th on Sixth".

Allzugroßes Schulterklopfen ist trotzdem nicht geplant, der kleine Geburtstag wird mit einem Cocktail-Empfang und mehreren kleinen Partys gefeiert. Unter den rund 100 Präsentationen liest man etablierte Designernamen von Tommy Hilfiger bis Oscar de la Renta, sowie traditionell absolute Neulinge. Der größte der drei Laufstege fasst rund 700 Gäste. Für 20 Minuten Präsentation müssen die Designer 36.000 Dollar hinlegen. Bei der Modewoche, die bis Freitag, 19. September, dauert, werden die Trends für Frühling und Sommer 2004 gezeigt. (APA)

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