Große Nervosität vor Euro-Referendum

10. September 2003, 18:34
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Vor der Abstimmung am Sonntag liegen die Euro-Skeptiker trotz der Anstrengungen der Regierung deutlich voran

Stockholm - Am kommenden Sonntag, den 14. September, stimmen die Schweden darüber ab, ob ihr Land den Euro einführen soll. Auch vier Tage vor der Volksabstimmung deuten die Umfragen auf eine Ablehnung der Bevölkerung hin. Laut der jüngsten Untersuchung des Temo-Instituts führen die Euro-Gegner mit 51 Prozent vor den Befürwortern, die unter 40 Prozent bleiben. Eine Gallup-Umfrage ermittelte bei einer ebenfalls in der ersten Septemberwoche durchgeführten Umfrage ähnliche Werte (47 Nein und 35 Ja), mit 18 Prozent Unentschlossenen jedoch eine höhere Anzahl an unsicheren Stimmen. Einer Online-Umfrage der Tageszeitung "Svenska Dagbladet" am Mittwoch zufolge glaubt - entgegen allen Umfragen - bisher eine Mehrheit der Anwender trotzdem an ein Ja.

Betont vorsichtig

Meinungsforscher und Politikwissenschafter geben sich trotz des scheinbar klaren Vorsprungs der Euro-Gegner betont vorsichtig. Vergangenes Jahr hatten sich die Demoskopen in ihren Prognosen gründlich blamiert, als sie Göran Persson eine Niederlage bei den Parlamentswahlen vorhergesagt hatten. Gewarnt wird diesmal vor allem vor einer hohe Dunkelziffer bei den Unentschlossenen.

Eine Online-Umfrage der Tageszeitung "Svenska Dagbladet" schien am Mittwoch das Misstrauen der Experten zu bekräftigten. Mit Zwischenstand Mittwoch, 13.00 Uhr glaubten 44,7 Prozent von bisher 533 Usern an einen knappen Sieg der Ja-Seite und 51,6 Prozent insgesamt an ein Ja. Nur 41,6 Prozent sagten ein negatives Ergebnis voraus.

Persson on Tour

Laut einer Meldung der Zeitung "Dagens Nyheter" (Online-Ausgabe am Mittwoch) deuten die bisher von der Schwedischen Post beförderten 807.439 Briefwahl-Stimmen möglicherweise auf eine hohe Beteiligung an der Abstimmung hin. Bei der Parlamentswahl vor einem Jahr waren im selben Zeitraum nur rund 645.532 Wahlkarten unter den Poststempel geraten.

Ministerpräsident Göran Persson bekam unterdessen in seinen unermüdlichen Versuchen, die Stimmung im Land doch noch umzuschwenken, am Dienstag Schützenhilfe aus Griechenland. Der griechische Außenminister George Papandreou hob vor allem den friedensfördernden Aspekt der europäischen Einigung und den Euro als Teil dieses Prozesses hervor - ein häufig gehörtes Argument auch von Seiten Perssons. Papandreou war nach dem deutschen Außenminister Joschka Fischer, Finnlands Präsidentin Tarja Halonen und Premier Matti Vanhanen sowie dem konservativen estnischen Ex-Ministerpräsidenten Mart Laar ein weiterer prominenter ausländischer Gast der Euro-Befürworter.

"Schießeisen-Journalismus"

Auf der anderen Seite sprach die Chefin der Linkspartei, Ulla Hoffmann, bei einer öffentlichen Debatte in Stockholm am Dienstag von einer "schmutzigen Kampagne" der Ja-Seite und von "amerikanischen Kampagnemethoden" und "Schießeisen-Journalismus".

Während sich Göran Persson dafür ausgesprach, eine Einführung des Euro notfalls auch bei einem Ja zu verschieben, trat sein bürgerlicher Mitstreiter, der konservative Ex-Premier Carl Bildt, zu Beginn der Woche für eine möglichst rasche Einführung der EU-Währung per 1. Jänner 2006 ein.

Für die Einführung des Euro treten offiziell die Sozialdemokraten sowie drei der vier bürgerlichen Parteien ein. Unterstützt wird ein Beitritt Schwedens zur Euro-Zone auch von den meisten Gewerkschaften und Unternehmen. Gegen den Euro sind vor allem die beiden Unterstützer-Parteien der sozialdemokratischen Alleinregierung, die Linkspartei und die Grünen sowie die bürgerlich-agrarische Zentrumspartei. Auch innerhalb der Sozialdemokraten gibt es eine starke Euro-Opposition, der mehrere Minister von Perssons Kabinett, darunter Wirtschaftsminister Leif Pagrotsky, angehören.

Schweden wäre das 13. EU-Mitglied, das den Euro einführt. Von den 15 gegenwärtigen EU-Staaten haben außer den Schweden die Dänen und die Briten eigene Währungen. Die Dänen entschieden sich in einer Volksabstimmung am 28. September 2000 gegen den Euro, Termin für eine neuerliche Abstimmung gibt es derzeit ebenso wenig wie für eine erstmalige Abstimmung in Großbritannien. (APA)

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