Zweifel an Echtheit eines gestohlenen Leonardo da Vinci

15. September 2003, 00:47
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Gemälde "Madonna mit der Spindel" könne gar kein Original gewesen

London - Die Diebe, die Ende August aus einem schottischen Schloss einen vermeintlichen Leonardo da Vinci raubten, haben nach einem Bericht der "Times" möglicherweise nur eine "plumpe und billige Kopie" erbeutet. Das Gemälde "Madonna mit der Spindel" könne gar kein Original gewesen sein, sagte Jacques Franck vom "Armand Hammer Center" für Leonardo-da-Vinci-Studien an der Universität von Kalifornien.

"Die Anatomie ist falsch", erklärte Franck. "Die Anordnung des Werkes ist falsch. Die Proportionen der Gliedmaßen stimmen nicht." Die Arbeiten da Vincis zeigten normalerweise "sein Verständnis von Anatomie und Drapierung im Zusammenspiel mit dem Licht", meinte der Experte. "Das ist hier aber so misslungen."

Das Original wird umgerechnet auf bis zu 70 Millionen Euro geschätzt, die Kopie schätzt Franck hingegen auf nicht mehr als 140 000 Euro. Das Gemälde war am 27. August aus der Eingangshalle von Schloss Drumlanrig in Schottland gestohlen worden. Nach den Räubern wird international gefahndet. Die britische Versicherungsgruppe Lloyds hat eine Belohnung in sechsstelliger Höhe für die Wiederbeschaffung ausgesetzt.

Auch zwei britische Experten bezweifeln laut "Times" die hundertprozentige Echtheit des Gemäldes. Martin Kemp, Professor für Kunstgeschichte an der Universität Oxford, und David Brown, Autor eines neu erschienen Buches über Madonna-Figuren von da Vinci, sind laut "Times" jedoch der Ansicht, dass "zumindest ein Teil des Werkes vom Meister selbst stammt." (APA, dpa)

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