Grüne fordern einheitliche Mindeststandards

10. September 2003, 20:08
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Für Schließung des Geriatriezentrum am Wienerwald und für überschaubaren Pflegeheime und gute ambulante Betreuung

Pflegemissstände: Grüne fordern bundeseinheitliche Mindeststandards Pilz: GZW-Schließung Chance für Neuanfang - Grauzone der Freiheitsbeschränkungen - Skepsis über Pflegeversicherung

Wien (APA) - Die Grünen fordern angesichts der Missstände im Pflegebereich die Einführung von "bundeseinheitlichen Mindeststandards".

Für Schließung des Geriatriezentrum am Wienerwald

Die Gesundheitssprecherin der Wiener Grünen, Sigrid Pilz, bekräftigte in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Gesundheitssprecher Kurt Grünewald, es wäre besser, das Geriatriezentrum am Wienerwald (GZW) zu schließen. "Stecken wir in den Ausbau der Pavillons draußen nicht noch mehr Geld rein, an der Haltung wird sich deshalb nichts ändern".

Geegn Pflegeversicherung

Angesprochen auf die Einführung einer eigenen Pflegeversicherung zeigte sich Pilz eher ablehnend: "Ich bin sehr skeptisch, zuerst über die Einspeisung neuen Geldes nachzudenken. Mit den vorhandenen Mitteln müsste etwas Besseres zu bekommen sein als diese miese Qualität."

Einsparpotenzial von 23 Millionen Euro

Pilz verwies darauf, dass ein Tag Unterbringung in Lainz 80 Euro koste, was von der MA 47 bezahlt werde. Dazu kämen 45 Euro und damit eine Summe von 125 Euro oder 50.000 Schilling im Monat. "Der erste Schritt ist, nicht dem schlechten Geld noch gutes nachzuwerfen". Sie verwies auf einen Bericht des Kontrollamtes, wonach es bei den Tarifen zur Pflege Schwankungen bis zu 300 Prozent gebe. Auffällig sei, dass die teuersten die politiknahen Anbieter seien. Der Kontrollbericht habe auch ein Einsparpotenzial von 23 Millionen Euro festgestellt, und hier sei in erster Linie anzusetzen.

Gute Ambulante Betreuung

Die Schließung des GZW würde jedenfalls eine Chance für einen Neuanfang bieten. Die dort untergebrachten 2.300 Menschen könnten anderweitig untergebracht werden. Ein Drittel sei ja im GZW "völlig falsch untergebracht. Die könnten mit einer guten ambulanten Betreuung Zuhause leben, ohne die ehrenamtliche Hilfe ihrer Töchter oder Schwiegertöchter." Das zweite Drittel könnte in überschaubaren Pflegeheimen leben. In diese Richtung sollte man investieren. Das letzte Drittel schließlich sei jenes, das ärztliche Versorgung brauche, es wäre eindeutig besser in einem Sonderkrankenhaus für Geriatrie untergebracht.

Zimmer statt Hallen

Es sei auch nicht zumutbar, dass viele der im GZW lebenden Personen in Acht-Bettzimmern wohnen müssten. Man müsste diese Menschen aus "diesen unheiligen Hallen mit dem Acht-Zimmer-Koloss befreien". Außerdem sei es notwendig, endlich die "Grauzone der Freiheitsbeschränkungen" im Pflegeheim in Angriff zu nehmen. Pilz verwies darauf, dass bis 2005 insgesamt 4.600 weitere Pflegeplätze notwendig seien. (APA)

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