OÖ: Klare Absage für "Daddy Cool"

14. September 2003, 23:59
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Der "Voest-Coup" von Landeschef Pühringer geht nicht auf: Die ÖIAG lässt sich ihren 15-Prozent-Anteil nicht direkt vom Land abkaufen

Linz - Für Oberösterreichs Landeshauptmann Josef Pühringer ist bei der Voest-Privatisierung alles paletti, weil fest in heimischer Hand. "Der österreichische Kernaktionär steht", sagte der wahlkampfmäßig als "Daddy Cool" titulierte Pühringer am Mittwoch.

Dass das Land Oberösterreich in Sachen Vorzugszuteilung von 15 Prozent Voest-Aktien von der Verstaatlichtenholding ÖAIG prompt eine klare Absage kam, ficht Pühringer nicht an. Er sei ohnehin gegen eine direkte Landesbeteiligung und halte nichts von "Bund raus - Land rein".

Nicht möglich

Eine Landesbeteiligung an Privatisierungen widerspreche den EU-Prinzipien, eine direkte Aktienbeteiligung des Landes am Börsegang sei nicht möglich, stellte ÖIAG-Vorstand Reinhard Wieltsch klar.

Pühringers Rechnung klingt einfach: Er addiert mögliche künftigen Voest-Anteile von Oberbank (derzeit 6,5 Prozent) und Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (RLB OÖ, 7,8 Prozent), der Hypo OÖ und der Energie AG Oberösterreich (EAG) mit jenen der um 3,8 auf 10,2 Prozent aufzustockenden Mitarbeiterstiftung und kommt "auf nahezu 30 Prozent Oberösterreich-Anteile".

Im grünen Bereich

De facto bedeutet dies aber, dass Pühringer voll auf das weit verzweigte Netzwerk der RLB OÖ setzt. Denn direkt im Einflussbereich des Landes Oberösterreich sind nur die EAG (rund 75 Prozent) und die Oberösterreichische Versicherung, wobei Letztere einen nicht unbedeutenden Großkunden hat: RLB OÖ.

Sowohl EAG als auch OÖ-Versicherung wollen nur zwischen 3,2 und vier Prozent Voest-Aktien erwerben, was zusammen mit den bestehenden RLB-OÖ-Anteilen keine 15 Prozent ergibt. Der Rest von Pühringers Kernaktionären ressortiert großteils zu RLB-Chef Ludwig Scharinger: Bei der Hypo OÖ spielt RLB OÖ mit 49 Prozent plus einem Vorkaufsrecht auf die Mehrheit die erste Geige, Salzburgs Hypo gehört ihr bereits. Als doppelte Absicherung haben Oberbank (6,5 Prozent) und RLB OÖ dem Land OÖ das Vorverkaufsrecht für ihre Voest-Aktien eingeräumt.

Für Voestler billiger

Fix ist indes, dass die Voest-Mitarbeiter ihre Aktien um fast 20 Prozent billiger bekommt, als die "Volksaktionäre", für die rund vier Prozent reserviert sind. Mit 28,28 Euro zahlen die Voestler für ihre 3,8 Prozent den Durchschnittskurs der letzten fünf Monate. Das Sonderangebot ist bis Freitag limitiert. (ung, rmo/DER STANDARD Print-Ausgabe, 11.9.2003)

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    LH Josef Pühringer in Wahlkampfpose.

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