Erregungs-Comeback von Damien Hirst

16. September 2003, 19:44
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"Holy Cow!" - Erste Ausstellung des englischen Starkünstlers nach acht Jahren sorgt in London für Gesprächsstoff

London - Damien Hirst (38), Enfant terrible der längst nicht mehr jungen "Young British Artists", sorgt wieder für Schlagzeilen. In seiner ersten Ausstellung mit neuen Arbeiten seit acht Jahren präsentiert der Turner-Preisträger von 1995 in der Whitecube Gallery (10.9. bis 19.10.) in Londons Szene-Viertel Hoxton eigentlich nur, was er immer schon zeigte: Tote Tiere in Formaldehyd, Blut, Setzkästen mit Sammelobjekten wie Mineralien, Bilder aus Schmetterlingsflügeln - das Schöne und das Schreckliche in nächster Nähe.

Aber dennoch erregen sich die seriösen englischen Zeitungen über Hirst. Der Grund: Die neuen Werke Hirsts, der katholisch getauft ist und mit acht Jahren aufhörte, in die Kirche zu gehen, haben religiöse Themen, deren Behandlung Anstoß erregt.

"Holy Cow!"

Das Hauptwerk der Schau trägt den Titel "Jesus und die Jünger" (Jesus and the Disciples). Die Arbeit besteht aus teilweise gehäuteten Rinderköpfen in mit Formaldehyd gefüllten Glaskästen, die jeweils einem der Jünger zugeordnet sind. An der dahinter liegenden Wand hängen Vitrinen, die auf die jeweilige Todesart des Jüngers hinweisen. Die Vitrinen sind voll gestopft mit medizinischen Instrumenten, Reagenzgläsern und Todessymbolen, wie Schädeln und getrocknetem (Tier-)Blut. Sie stehen in Beziehung zum jeweiligen Martyrium oder Tod. So liegt etwa auf der Vitrine für Judas ein Strick. Als Kuhköpfe in Formaldehyd werden auch die Evangelisten porträtiert, allerdings durchbohrt mit Messern, Scheren und Glasscherben.

Der liberale "Independent" setzte ein großes Foto eines der Kuh- Schädel auf die Titelseite, kritisierte aber Hirsts neue Arbeiten als "fast lächerlich melodramatisch". Der konservative "Daily Telegraph" titelte "Holy Cow! Hirst turns to religion" (Heilige Kuh, Hirst wendet sich der Religion zu) und machte sich über die Schau lustig. Selbst der Rezensent des "Guardian", ein bekennender Hirst-Anhänger, war enttäuscht: vor allem von der Wiederholung des schon so oft Gesehenen. Die Zeitung meint allerdings, dass niemand ernsthaft glauben könne, Hirst habe mit seiner Schau eine theologische Attacke beabsichtigt.

Theologen und Tierschützer

Andere teilen diese Meinung nicht. Die "Times" befragte zum Ausstellungsbeginn Theologen über ihre Ansicht. Die Reaktionen waren einhellig negativ: resigniert, schockiert, entsetzt, lautete das Urteil. Doch nicht nur Kunstkritiker und Theologen verärgerte Damien Hirst. Eine Reihe von großformatigen Werken aus ornamental arrangierten Schmetterlingsflügeln hatte im Vorfeld Tierschützer auf den Plan gerufen: Hirst habe seltene Schmetterlinge für sein Werk getötet, kritisierten sie.

Diese Anschuldigung wurde allerdings von seiner Galerie glaubhaft entkräftet. Die Flügel stammten von in Farmen eigens dafür gezüchteten Tieren. Über die große Anzahl toter Fliegen, die er für eine andere Serie benutzte, beschwerte sich laut Galerie niemand. (APA/dpa)

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    Teil des Comebacks: Die 'Cancer Chronicles' von Damien Hirst

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