Jesus, du weißt

16. Oktober 2003, 12:25
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Angetan vom Gottvertrauen, das Sonntag im ORF in Ulrich Seidls Film "Jesus, du weißt" gezeigt wurde ...

... nahm auch ich die letzte Ausfahrt vor der Hoffnungslosigkeit und richtete spät nächtens ein Stoßgebet gen Himmel, um endlich von meiner Qual erlöst zu werden.

Jesus, du weißt, hob ich an, dass ich nicht immer von deiner Existenz und deinem Wirken überzeugt war. Dieser Zweifel, den mein jäher Verlust noch unterstrich, führte mich in den Sommermonaten in die Irre. Auf der Suche nach Halt, nach einer Aufgabe, die das in mich gerissene Loch wieder füllen sollte, setzte ich mich üblen Versuchungen aus.

Jesus, du weißt, dass bei Premiere nicht nur Sport, sondern auch das Erotische gezeigt wird. Ja, ich bekenne, von meiner Trauer geleitet fiel ich auf falsche Versprechungen herein, die nicht in deinem Sinn sein konnten. Aber glaube mir, die Enttäuschung über meine Charakterschwäche, sie verstärkte nur noch mein Leid. Ich erkannte nicht den Sinn der Prüfung, die du mir mit dem Entzug der "Simpsons" auferlegt hattest. Dafür - und für meine blinden Versuche, es ohne dich zu schaffen, schäme ich mich heute.

Hätte ich doch schon früher den Dialog mit dir gesucht, mich dir anvertraut, der lange Weg durch das Dunkel der letzten zwei Monate wäre mir erspart geblieben. Denn seit Montag, nach meinem Gebet, strahlt wieder das mir nach der Sonne liebste Gelb von seinem angestammten Sendeplatz in meine bescheidene Hütte: Auf Pro 7 laufen wieder die "Simpsons"!

Nur Jesus weiß, wie ich mich freue. (flu/DER STANDARD, Printausgabe vom 10.9.2003)

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