"Größte Verirrung der Medizin"

9. September 2003, 19:45
2 Postings

Krebsspezialisten: Beunruhigende Zahlen bezüglich Hormonersatztherapie in Österreich - Tagung "Brustkrebs und Hormone" in Wien

Wien - Vor wenigen Wochen erschien in der britischen Fachzeitschrift Lancet eine Aufsehen erregende Studie. Sie wies nach, was in Fachkreisen schon längst als wahrscheinlich galt: dass die Hormontherapie für Frauen während der Menopause einen außergewöhnlich hohen Anstieg der Brustkrebsrate nach sich zog. Bei 1,08 Millionen untersuchten Frauen sprachen die Zahlen eine deutliche Sprache: plus 30 Prozent Erkrankung an Brustkrebs bei reinem Östrogenersatz, eine Verdoppelung unter Östrogen-Gestagen-Behandlung und plus 45 Prozent unter dem synthetischen Hormon Tibolon.

Mehr Brustkrebspatientinnen hierzulande

Nun schlagen auch Österreichs führende Krebsexperten Alarm: Bei einer Pressekonferenz anlässlich der Ende des Monats stattfindenden Publikumstagung zum Thema "Brustkrebs und Hormone 2003" (25.-27. 9.) bestätigten sie, dass auch hierzulande der deutliche Zuwachs an Brustkrebserkrankungen (3000 Neuerkrankungen 1980, 5200 im Jahr 2002) zum Teil auf die Hormonersatztherapie zurückzuführen sein kann. Rund jede dritte Österreicherin greift immerhin heute im Wechsel zu Hormonen.

Selbstkritik

"Ich halte das für eine der größten Verirrungen in den letzten zwanzig Jahren" konstatiert denn auch Univ.-Prof. Dr. Chirstoph Zielinski selbstkritisch. Am Wiener Allgemeinen Krankenhaus plädiert man heute für interdisziplinäre Zusammenarbeit bei der Suche nach neuen Wegen. Und verweist stolz auf die jüngsten Erfolge in der Bekämpfung des Mammakarzinoms: Die Sterberate bei Brustkrebspatientinnen konnte in den vergangenen fünf Jahren um 20 Prozent gesenkt werden. (cia, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10.9. 2003) )

Infotag Brustkrebs am 27. 9., 13.00 bis 17.00 Uhr im Universitäts-
campus Altes AKH, Hörsaal C1, 9., Spitalgasse 2.

Link
Brustkrebs 2003
Share if you care.