Oracle wirft sein Netz aus

22. September 2003, 10:18
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Mit neuen Produkten will sich der Datenbankhersteller in das Zentrum der Entwicklung zum Grid-Computing stellen

Mit zwei neuen Produkten, die in dieser Woche auf der Oracle World präsentiert werden, will sich der Datenbankhersteller Oracle in das Zentrum der Entwicklung zum Grid-Computing stellen. Vergleichbar einem Strom- oder Wassernetz sollen mit einem Computer-Grid (wörtlich: Netz, Gitter, Raster) Rechenleistung, Daten und Programme gleichmäßig und automatisch auf verschiedene Knoten in einem Netz verteilt werden; je nach Anforderung bezieht der Anwender die jeweils notwendige Leistung quasi aus der Steckdose und nicht von einzelnen Rechnern.

Gleichmäßig

"Stellen Sie sich vor, sie machen mit sechs Personen und zwei Autos einen Ausflug. Dann werden nicht in einem Auto fünf und im anderen eine Person sitzen, sondern wahrscheinlich in jedem drei", verdeutlicht Oracle Vizepräsident Chuck Phillips das Grid-Konzept. Durch gleichmäßige Auslastung sollen die Kosten für Rechenleistung in Unternehmen reduziert werden, erklärt Phillips. Denn derzeit waren Computer häufig untätig darauf, dass andere Computer ihre Aufgaben erledigt haben, ehe sie selbst zum Zug kommen. In einem Grid hingegen werden die Ressourcen zusammengefasst, die einzelnen Bestandteile wie Rechner, Speicher oder Anwendungen "virtualisiert" (d.h. die Software spricht unterschiedliche Punkte des Grids so an, als ob sie ein einziges Rechner- oder Speichersystem wären) und die Lasten werden automatisch im Netz verteilt.

In der Praxis könnte das bedeuten, dass die Rechenkapazität einer großen Bank, die nachts ungenutzt ist, von Banken in anderen Zeitzonen genutzt wird. Hingegen kauft die selbe Bank zur Abdeckung ihres Spitzenbedarfs Leistungen zu, ähnlich wie in einem Stromnetz die Produktion verteilt wird.

Aufbau von "Computerkraftwerken"

Mit seiner Grid-Initiative schließt sich Oracle einer technischen Entwicklung an, die aus dem Bereich der universitären Forschung kommt. IBM, Microsoft und Sun betrachten Grids seit längerem als nächste Phase der IT-Entwicklung; der neue IBM-CEO Sam Palmisano erklärte "Utility-Computing" (IT, die sich wie Strom- oder Wasserlieferanten versteht) zum langfristigen Ziel des Konzerns. Vier Milliarden Dollar will IBM Global Services in den nächsten Jahren in den Aufbau von "Computerkraftwerken" stecken, die Rechenleistung nach Bedarf liefern und verrechnen.

"10g"

Aber zur Realisierung von Grids fehlt es bisher weitgehend an Software, die zigtausende Rechner unisono als Netz agieren lässt. Hier sieht Oracle seine Chance: Seine neue Datenbank und der Application Server "10g", die bis Jahresende auf den Markt kommen soll, soll die Lücke schließen. Dazu hat Oracle eine Reihe von Partner an Bord geholt, allen voran Dell, Sun und Hewlett Packard. Diese Allianzen sind ein Drahtseilakt mit konkurrierenden Unternehmen: So wirbt Dell-Chef Michael Dell bei der Oracle World dafür, massenhaft seine billigen Intel-Linux-Server einzusetzen, was kostengünstiger als Server mit acht, 16 oder gar 32 Prozessoren und spezieller (sprich: teurer) Software sei. Das aber ist die Spezialität anderer Oracle-Partner, insbesondere von Sun und HP. Einig ist sich die Allianz jedoch in einem Ziel: IBM, den weltweit größtem IT-Konzern und Marktführer im Bereich der Unternehmens-IT, das Wasser abzugraben. (Helmut Spudich aus San Francisco)

Mit "Grid-Computing" sollen Computer so funktionieren wie das Stromnetz: Rechenleistung wird auf einen „Grid“ (Netz) von zigtausenden Servern verteilt, statt für Spitzenbedarf immer stärkere Server einzusetzen, die dann zu anderen Zeiten ungenützt herumstehen.

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