Kinder machen Frauen arm

15. September 2003, 14:40
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Fünfzehn Prozent der erwerbstätigen Mütter können mit ihrem Einkommen allein nicht überleben - Mit Infografik

Wien - Fast jede siebente erwerbstätige Mutter (15 Prozent) gibt an, dass sie mit ihrem Einkommen nicht überleben könne. So ein Ergebnis der aktuellen Sonderauswertung des Österreichischen Arbeitsklima-Index, das am Dienstag in einer Pressekonferenz von der oberösterreichischen Arbeiterkammer (AK) in Wien präsentiert wurde. "Entscheiden sich Frauen in Österreich für Kinder, entscheiden sie sich gegen eine berufliche Karriere, für eine schlechtere Altersversorgung und für ein dramatisch geringeres Lebenseinkommen", stellte Georg Michenthaler (IFES), ein Verfasser der Studie, fest.

Während acht Prozent der arbeitenden Bevölkerung meinen, mit dem Einkommen nicht auszukommen, schätzen nur fünf Prozent der erwerbstätigen Väter ihr Einkommen für unzureichend ein. 37 Prozent der Väter behaupten, dass ihr Gehalt gerade ausreiche. Bei den berufstätigen Müttern glauben das 41 Prozent. 43 Prozent der berufstätigen Väter sind mit ihrem Einkommen zufrieden, hingegen meinen nur 33 Prozent der berufstätigen Mütter, dass ihr Gehalt vollkommen ausreiche.

Schwarze Zukunft

Noch pessimistischer sehen die Frauen in die Zukunft. 25 Prozent der Frauen ohne Kinder fürchten, dass ihre Alterssicherung nicht ausreichen werde. Kinder vergrößern den Pessimismus: Denn 31 Prozent, also fast ein Drittel aller Mütter, meinen, ihre Alterssicherung werde zum Leben nicht ausreichen. Ganz anders bei den Männern: 19 Prozent der Männer ohne Kinder sehen einer unzureichenden Alterssicherung entgegen. Väter haben offenbar die besten Aussichten: Sie meinen nur zu 15 Prozent, dass sie mit ihrer Pension einmal nicht über die Runden kommen werden. Zum Vergleich: nimmt man die Gesamtbevölkerung her, so sprechen 22 Prozent von einer künftig unzureichenden Pension.

Während Kinder für Frauen eine deutliche Reduzierung ihres Berufslebens bedeutet - bei den Frauen ab Maturaniveau sinkt die wöchentliche Arbeitszeit durchschnittlich von 37 auf 32 Stunden - so steigt sie bei Vätern in derselben Bildungskategorie von 43 auf 44 Wochenstunden an. "Bildung schützt Frauen vor Familienarbeit nicht", stellte Edith Enzenhofer, zweite Verfasserin der Studie, vom Sozialforschungsinstitut SORA, fest. Hingegen könne man bei Vätern fast eine Fluchttendenz in die Arbeitswelt bemerken, so die Studienverfasserin.

AK: Aufschnüren und überarbeiten

Die Studie habe die Einschätzung der Arbeiterkammer und des ÖGB hinsichtlich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie deutlich bestätigt, erklärte Johann Kalliauer, Vizepräsident der AK Oberösterreich. Die AK fordere darum das Aufschnüren und eine Überarbeitung des Pensionssicherungspaketes, eine deutlich bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie mit mehr Teilzeitarbeitsplätzen und variablen Arbeitsmöglichkeiten, einen stärkeren Bewusstseinsprozess in den Unternehmen sowie mehr Kinderbetreuungseinrichtungen. "Solange man nicht ändert, dass Kinder nur Frauensache sind, wird man aber auf diesem Gebiet überhaupt nur wenig erreichen", so Kalliauer. (APA)

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    Weniger Einkommen für Mütter

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