Streit um Handy-Rufnummernmitnahme

9. September 2003, 17:32
29 Postings

Mobilkom, T-Mobile, One und Konsumentenschützer gegen Portierung während Mindestvertragszeit

Die künftige Mitnahme der Handynummer bei einem Betreiberwechsel bleibt weiterhin ein Zankapfel. Mobilfunkbetreiber und Konsumentenschützer, die derzeit an ihren Stellungnahmen zu dem vom Infrastrukturministerium konzipierten Verordnungsentwurf tüfteln, sehen in einigen Punkten noch erheblichen Handlungsbedarf, wie ein Rundruf der APA ergab. Die Begutachtungsfrist für den Verordnungsentwurf läuft am 15. September ab, die Mitnahme der Handynummer wird in der Praxis aber nicht vor dem Frühjahr 2004 möglich sein.

Gegen die Portierung vor Mindestlaufzeit-Ende

Gegen die im Entwurf vermerkte Möglichkeit der "Portierung" (Mitnahme der Handynummer) vor dem Ende der Mindestlaufzeit eines Vertrags sprechen sich neben der Mobilkom, T-Mobile und One auch die Konsumentenschützer aus. Kunden müssten die üblicherweise 12 Monate dauernde Mindestvertragszeit abwarten, bevor sie portieren dürften, fordert die Mobilkom. Die Argumente dafür: Handynetzbetreiber würden mit der Mindestvertragszeit ihre Geschäftsmodelle kalkulieren und bei einem verfrühten Vertragsabbruch "um viel Geschäft umfallen". Außerdem sei es für den Kunden "negativ", wenn er parallel Verträge mit dem "neuen" und "alten" Betreiber finanzieren müsse.

Über Verpflichtungen informieren

Gegen eine Portierung während der Mindestlaufzeit spricht sich auch T-Mobile-Chef Georg Pölzl aus, da dies eine "Doppelbelastung für den Kunden" wäre. Der Kunde müsse bei der Rufnummernmitnahme genau über seine Verpflichtungen gegenüber dem alten und neuen Betreiber informiert werden, um gegen die zu erwartenden "unseriöse Keilermethoden" gefeit zu sein. "Wenn ein Geschäftskunde seinen Mindestvertrag vorzeitig löst, hat der Netzbetreiber ein kaufmännisches Problem, da Business-Verträge mit einer gewissen Umsatzerwartung kalkuliert werden", meint One-Marketingchef Christian Czech. Daher sollte eine Portierung erst möglich werden, wenn die Mindestlaufzeit vorbei ist.

Wie in Deutschland sollte auch den österreichischen Kunden verboten werden, einen neuen Vertrag mit derselben Rufnummer abzuschließen, wenn der alte Vertrag noch nicht ausgelaufen sei, meinte auch Arbeiterkammer-Konsumentenschützerin Daniela Zimmer. Der Verbraucher habe meist keine Ahnung über bestehende finanzielle und rechtliche Verpflichtungen gegenüber dem "alten Betreiber", daher sollte eine Portierung erst nach Ablauf der Mindestvertragsdauer möglich sein, meint auch VKI-Konsumentenschützer Paul Srna.

Verpflichtende Netzansage

Ein weiterer Streitpunkt zwischen den Betreibern ist die verpflichtende Netzansage, über die der Kunde informiert werden soll, in welches Netz er gerade telefoniert. Diese Netzansage werde laut Erfahrungen aus dem Ausland von 95 Prozent der Kunden als "ständige Belästigung" empfunden, sagte tele.ring-Geschäftsführer Hubertus Hofkirchner. Daher müsse diese Ansage auf Wunsch des Kunden nicht nur temporär, sondern permanent abstellbar sein, gleichzeitig müsse es dem Kunde aber mit einem einfachen Tastendruck möglich sein, jederzeit eine Netzansage zu bekommen. Für eine permanent ausschaltbare Netzansage ist auch One.

"One-Stop-Shopping"

Im Verordnungsentwurf ist das so genannte "One-Stop-Shopping" festgeschrieben. Bei einem Betreiberwechsel muss sich der Kunde künftig nur an den "neuen" Betreiber wenden, der dann gemeinsam mit dem abgebenden Betreiber alle weiteren Schritte zur Durchführung der Nummernübertragung setzt. Der Konsument muss laut Entwurf ausreichend darüber informiert werden und u.a. bestätigen, dass er über die Gesamtkosten der Portierung vom abgebenden Betreiber informiert wurde. Zudem muss der Kunde auch schriftlich festhalten, dass er darüber Bescheid weiß, dass ein allenfalls noch aufrechter Vertrag beim "alten" Betreiber durch die Portierung nicht beendet und der Kunde eine etwaige Mindestvertragsdauer einhalten muss. Der Übertragungsprozess vom Antrag bis zur Freischaltung soll laut Entwurf innerhalb von drei Tagen abgeschlossen werden.

Die mobile Rufnummernportabilität wird vor allem von den kleineren Betreibern wie tele.ring und One favorisiert. Die Mobilkom hatte im August 44,38 Prozent Marktanteil, T-Mobile 29,59 Prozent. Auf Platz drei lag One mit 19,78 Prozent, gefolgt von tele.ring mit 6,25 Prozent.(APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Gewitterwolken haben sich noch nicht verzogen. Mobilfunkbetreiber und Konsumentenschützer sehen in einigen Punkten erheblichen Handlungsbedarf.

Share if you care.