Sonderausstellung für Libeskind

12. September 2003, 22:56
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Jüdisches Museum in Berlin ehrt Architekten

Berlin - Zwei Jahre nach der Eröffnung ehrt das Jüdische Museum in Berlin seinen Architekten Daniel Libeskind mit einer Sonderausstellung. In der Schau "Kontrapunkt - Die Architektur von Daniel Libeskind" werden ab Mittwoch 16 seiner Projekte anhand von Modellen, Plänen, Zeichnungen, Filmen und Fotos präsentiert, wie Museumsdirektor W. Michael Blumenthal am Montag sagte. Ein Höhepunkt ist das Modell für Ground Zero und das World-Trade-Center-Gelände, das erstmals in Deutschland zu sehen sein wird. Die Schau läuft bis zum 14. Dezember.

Auch Projekte im Planungsstadium werden gezeigt

Neben berühmten Gebäuden wie dem zinkverkleideten zickzackförmigen Jüdischen Museum und dem Imperial War Museum North in Manchester werden auch noch in Planung befindliche Projekte wie die Konzerthalle "Musicon" in Bremen und der Erweiterungsbau zum Victoria and Albert Museum in London gezeigt. Kurzfristig in die Ausstellung wurden Pläne und Zeichnungen zum Umbau des Militärhistorischen Museums in Dresden aufgenommen - die Entscheidung zu Gunsten des Libeskind-Entwurfs fiel erst vor einem Monat.

Seine Entwürfe für den Potsdamer Platz, den Alexanderplatz und die Gedenkstätte Sachsenhausen in Oranienburg blieben nicht realisierte Wettbewerbsbeiträge und zeigen die Visionen des Architekten. Daneben sind in der bislang größten Wechselausstellung des Museums auf 600 Quadratmetern Fläche zwei frühe künstlerische Grafikarbeiten sowie von ihm entworfene Kostüme einer Operninszenierung ausgestellt.

Jüdisches Museum bleibt auch im zweiten Jahr Publikumsmagnet

Blumenthal betonte, sein Haus habe sich auch im zweiten Jahr als Publikumsmagnet erwiesen. Seit Eröffnung seien über 1,4 Millionen Besucher gezählt worden, durchschnittlich pro Tag rund 2.000. Man könne wirklich froh sein, etwas geschaffen zu haben, was einen wichtigen Beitrag "nicht nur zur Verständigung zwischen Nicht-Juden und Juden, sondern auch zur Toleranz gegenüber Minderheiten in dieser Welt im allgemeinen" leiste, sagte der Direktor.

Architektur ist Motivationsgrund für den Besuch

Über die Hälfte der Besucher (52 Prozent) erklärten einer Umfrage zufolge, die Architektur habe sie zu einem Besuch motiviert. 50 Prozent nannten als ursächlichen Grund ihre Neugierde auf die deutsch-jüdische Geschichte, sagte Blumenthal.

Libeskind erklärte, er arbeite bereits an weiteren Projekten. Er habe Wettbewerbe für ein Medienzentrum in Hongkong, für "das größte Einkaufszentrum in der Schweiz" und einen Bürokomplex für Hyundai in Südkorea gewonnen. In Berlin lebte der Architekt, der als einer der weltweit meistbeachteten gilt, 13 Jahre. Im Frühjahr zog er mit seiner Frau und den drei Kindern nach New York um, wo er sich in erster Linie um die Realisierung seines Entwurfs für Ground Zero kümmert. Dennoch fühle er sich weiterhin als Berliner: "Obwohl Berlin eine so schwierige Geschichte hat, ist es die Stadt, die ich liebe." Geboren wurde er 1946 in Polen, er wuchs in Israel und in den USA auf. 1965 nahm er die amerikanische Staatsbürgerschaft an. (APA/AP)

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