Uni-Rechenzentrum von Jena kritisiert leichtsinnige Passwörter

8. Jänner 2000, 11:13

Rateprogramme im Internet ahmen menschliche Psychologie bei der Wortbildung nach

Jena - Computernutzer sind nach Ansicht eines Jenaer Spezialisten bei der Passwort-Auswahl zu leichtsinnig. "Im Internet kursieren Rateprogramme, die die menschliche Psychologie bei der Wortbildung nachahmen", sagte Joachim Richter vom Rechenzentrum der Universität Jena in einem dpa-Gespräch. Einfache Veränderungen am eigenen Namen oder gut merkbaren Begriffen wie "Sonne" ermöglichten damit Einbrüche in große Netzwerke.

Vor allem aus Fernost und den Niederlanden erhalte das Rechenzentrum derzeit unangenehme Besucher. Den Einbrechern gehe es fast immer nur darum, die Arbeit lahm zu legen oder Rechner zu zerstören. "Die sind wie Leute, die abgestellte Autos zerkratzen", sagte Richter.

Ende des Jahres habe das Rechenzentrum 400 Nutzern die Passworte gesperrt, da sie durch Rateprogramme einfach zu entschlüsseln gewesen seien. "Ein einzelner Nutzer kann die Daten von Tausenden anderen Nutzern gefährden, wenn ein Einbrecher mit seinem entschlüsselten Passwort ins System eindringt." Neue Passworte würden durch Zufallsgeneratoren erzeugt. Damit entstünden völlig willkürliche Kombinationen wie "xR8!fpU2".

Wer sich das nicht merken oder aufschreiben wolle, könne sich einen Satz ausdenken wie "Ich liebe meine Frau an allen Tagen." Die jeweils ersten, letzten oder dritten Buchstaben jedes Wortes könnten ebenfalls ein kaum zu erratendes Passwort ergeben.

"Bis jetzt aber ist das ein Problem, das von viel zu wenigen als Problem erkannt wird", sagte Richter. Dies ändere sich immer erst, wenn jemandem das komplette Dateiverzeichnis leer geräumt werde. (APA/dpa)

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