Schüssels Spaßgesellschaft - Von Michael Moravec

16. September 2003, 10:31
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Die Voest-Privatisierung wird zum Party-Gassenhauer mit internationaler Spitzenbesetzung

Wer hätte jemals gedacht, dass Schwarz-Blau so viel Spaß machen kann? Herbert Haupt ist bereits - in aller Deutlichkeit - zur Kultfigur ("Comical Herbie") geworden. Und nun schaffen es die entfesselten Artisten vom Ballhausplatz auch noch, ein doch eher sprödes Thema wie die Privatisierung der Voestalpine zu einem Party-Gassenhauer mit internationaler Spitzenbesetzung zu machen.

Zuerst wird ein von Finanzminister Karl-Heinz Grasser handverlesener Aufsichtsrat für die ÖIAG bestellt - Daimler-Benz-Chef Jürgen Hubbert, Allianz-Finanzvorstand Paul Achleitner, Billa-Chef Veit Schalle, der Papierindustrielle Alfred Heinzel. Finanzminister Grasser ersuchte die Herren zu Beginn ihrer Tätigkeit mit todernster Miene und möglicherweise gekreuzten Fingern, die "Entpolitisierung in den Beteiligungen und Tochtergesellschaften weiterzuführen". Was für ein Spaß, die haben das sogar geglaubt.

Wirklich perfekt

Mehr als drei Jahre und viele teure Investmentbank-Beratungsstunden später sieht das Privatisierungsergebnis des Verstaatlichten-Herzstückes Voestalpine so aus, dass das Land Oberösterreich so viele Anteile wie möglich - zumindest aber eine Sperrminorität - erwerben will und vermutlich auch wird.

Nun könnte man das Ganze als Wahlkampfhysterie von um ihre Jobs zitternden, fiebrigen Landespolitikern abhaken. Wenn nicht der Bundeskanzler Wolfgang Schüssel höchst persönlich - ebenfalls ohne das geringste Anzeichen eines Grinsens - dazu gemeint hätte, Oberösterreichs Landeshauptmann unterstütze dadurch, dass er Voest-Anteile aufkaufe, die Bundesregierung in ihrem Bemühen zu Entpolitisieren und zu Privatisieren. Das ist wirklich perfekt. Diese schon akrobatische Beherrschung der Gesichtszüge. (DER STANDARD Print-Ausgabe, 9.9.2003)

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