Blut fließt, um nicht königlich zu werden

30. September 2003, 20:13
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"Medea" als Eröffnungspremiere am Schauspielhaus

Für ihren Mann Jason hat Medea sogar ein Ungeheuer getötet. Eine aus tiefer Liebe herrührende Heldentat, für die ein realsoziales Äquivalent zu finden man sich schwer tut. Vielleicht auch deshalb hat man die Eröffnungspremiere des Schauspielhauses (Regie: Barrie Kosky) vor zwei Jahren ganz archaisch gewandet und eine zeitlose Umsetzung in hoch emotionales Körpertheater gewählt. "Treten Sie ein in eine andere Welt", so der Plakatslogan des Hauses, der im Falle von Medea, hängt er an der Praxis eines Scheidungsanwaltes, bei der jetzigen Wiederaufnahme verdammt viel Sinn macht: Scheiden tut weh, oh ja! Zu einer interessanten Tonmischung aus Schostakowitsch-Walzerklängen und naiver Liebeslyrik geht ein Reich der Schatten auf, wenn sich Melita Jurisic rachsüchtig gebärdet. Im Finale sogar hollywoodmäßig. (afze/DER STANDARD, Printausgabe, 9.9.2003)
Schauspielhaus
9., Porzellang. 16
Reservierung nötig: 01/317 01 01
Bis 3. 10., 20 Uhr
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