Microsoft löst Shopping-Hysterie aus

9. Jänner 2000, 09:14

Microsofts Online-Dienst blamiert sich in den USA mit seiner Werbe-Offensive

Wie Internetworld berichtet, versucht Microsoft in den USA seinen Online-Dienst MSN mit "aller Gewalt" zu etablieren - nun haben die Verantwortlichen offensichtlich über die Strenge geschlagen. Alle US-Bürger, die einen Drei-Jahres-Vertrag (29,90 Dollar monatlich) unterzeichnen, sollten von dem Giganten aus Redmond ein sattes 400-Dollar-Geschenk erhalten.

400-Dollar-Rabatt

Konkret sah das Angebot so aus: In den Elektrohandels-Ketten konnten die Kunden den MSN-Vertrag unterzeichnen und sich sofort ein beliebiges Produkt aus dem Regal nehmen. An der Kaufhaus-Kasse wurde der 400-Dollar-Rabatt sofort verrechnet. Doch schon heute wurde die Werbe-Offensive, die erst am Mittwoch began und eigentlich bis Ende März andauern sollte, wieder zurückgezogen.

Auch bei vorzeitiger Kündigung

Besonders lange Schlangen bildeten sich vor den Kaufhäusern in den Bundesstaaten in Kalifornien und Oregon. Aufgrund der dortigen Landesgesetze dürfen die Neukunden das 400-Dollar-Geschenk auch dann behalten, wenn sie den Vertrag vorzeitig kündigen. Mercurycenter berichtet, vor den Kaufhäusern hätten sich schon frühen Morgen Schlangen von einigen Hundert Menschen gebildet. Extra für das Microsoft-Angebot mußten eigene Kassen eingerichtet werden. Ordnungskräfte mußten die Kaufwütigen, die sich sich erst gegen Mittag anstellten, abweisen: Auf Grund des Andrangs hatten sie keine Chancen mehr, die Geschäfte bis Ladenschluß zu betreten.

Vom ursprünglichen Kaufwunsch mußten aber auch die wenigen glücklichen abrücken, die rechtzeitig die Geschäfte stürmten: Fast alle begehrten Produkte wie PCs, Laptops, DVD-Player, TV-Geräte, Walk- und Discman, aber auch CDs und DVDs waren binnen Stunden ausverkauft.

"Wenn MSN besser ist, werde ich es behalten"

Reporter vor Ort berichteten von vielen Kunden, die keinen Hehl daraus machten, den Vertrag vorzeitig kündigen zu wollen. Andere wollten MSN immerhin eine Chance geben: "Ich benutze bisher AOL und ich hasse es. Wenn MSN besser ist, werde ich es behalten," wurde ein Kunde zitiert.

Aufgrund des eormen Andrangs befürchteten schon gestern einige Kaufhausmanager, Microsoft werde sein Angebot wohl bald zurückziehen. Und tatsächlich: Heute verkündete Microsoft offiziell, das Programm werde in Kalifornienen und Oregeon vorübergehend ausgesetzt: "Leider gibt es einige Leute, die unsere Promotion mißbrauchen wollen," hieß es in Redmond.

Falsch interpretiert?

Tatsächlich gibt es die Chance, daß Microsoft in wenigen Tagen weiter machen könnte. Inzwischen haben Regierungsvertreter die Ansicht geäußert, die Landesgesetze seien von den Microsoft-Mannen falsch interpretiert worden. Bei dem Microsoft-Programm handele es sich um eine Promotion-Aktion und nicht um einen Kredit. Die entsprechenden Gesetze seien aber nur auf Kredite anwendbar. Microsoft könne also seine Aktion also mit geänderten Konditionen fortsetzen. Eine peinliche Schlappe für die Microsoft-Juristen, die offensichtlich eine gewisse Übersensibilität an den Tag legen. Die "neue" Rechtslage soll nun sorgfältig geprüft werden.

Rechtlich klar ist der Fall für alle Kunden, die sich bereits mit dem Vertrag eingedeckt haben: "A deal is a deal", die Vertäge können ohne Nachteil jederzeit gekündigt werden. (Internetworld)

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