Mann, ist der Markt mörderisch!

14. Oktober 2003, 10:23
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Das Vater-Tochter-Stück "Bedbound" vom irischen Dramatiker Enda Walsh im dietheater Künstlerhaus

Der 1996 mit "Disco Pigs" schlagartig zu europäischer Bekanntheit gelangte irische Dramatiker Enda Walsh erschrieb mit dem Vater-Tochter-Stück "Bedbound" in Wahrheit eine Hassschrift auf die gnadenlosen und unumschränkt inhumanen Verlockungen des Marktes: Der "Vater" zwängt sich vom Lagerarbeiter zum Möbelhausbesitzer hinauf; Frau und Kind sind dabei bloß zwei niedliche Stufen zum Erfolg. Dies eiskalte Kalkül schlug einen Krater in die Familienbehausung, und da unten sitzen sie jetzt - Vater und Tochter, die Mutter ist durch Vaterhände bereits tot.

Von der obersten Galerie im Künstlerhaustheater blickt man in diesen hinab: in ein mächtiges Bühnenbild von Johannes Leitgeb, der diesen genialen Holzkrater auch noch als ein vom Vater gezimmertes Möbelstück vorstellt. Es ist ein ausgeklügeltes Moment eines insgesamt sehr vordergründigen Stückes, dass die Tochter da unten auch noch ein Lebtag lang ausgerechnet an eines dieser Vatermöbel gefesselt bleibt, ans Bett nämlich. Heidelinde Pfaffenbichler zieht als blutrot gekleidetes Kind die gelähmten Beine auf der Matratze hinter sich her.

Das Gelungenste in dieser Inszenierung Nicolas Dabelsteins bleibt das Bühnenbild. Schauspielerisch führt sie auch in Abgründe: Stets am stimmlichen Limit und um zahllose fragwürdige "Hahahas" nicht verlegen, geht ein durchtrainierter Erwin Leder, sich dabei über Gebühr verausgabend, die Wände hoch. Stück gespielt, Figur aber tot. (afze/DER STANDARD, Printausgabe, 9.9.2003)

dietheater Künstlerhaus
1., Karlsplatz 5
01/587 05 04
Di-Sa 20 Uhr
Link

dietheater

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    foto: dietheater
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