"Twinni": Fremde Welt aus Wassereis

23. Juli 2004, 10:15
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Ein Sommerferienfilm: das heimische Teen-Movie "Twinni"

Wien - "Jolly" gegen "Twinni" - im Kampf der legendären Wassereisgiganten kann Letzteres jetzt damit punkten, dass es einem Kinofilm den Namen gibt: Twinni, der jetzt zum herbstlichen Schulbeginn in die Kinos kam, ist eigentlich ein Sommerferienfilm. Angesiedelt in den frühen 80er-Jahren, erzählt er eine Teenagergeschichte von familiären Krisen und ersten Flirts, von einer Dreizehnjährigen, die, mit Mutter und älterer Schwester aus Wien kommend, bei der Oma am Land Quartier bezieht - dem Umzug ist offenbar ein Zerwürfnis der Eltern vorausgegangen.

Jana, wunderbar widerborstig verkörpert von Diana Latzko, die "Städterin", die im Dorf zugleich eine privilegierte und manchmal auch isolierte Position einnimmt, beginnt sich halb neugierig, halb widerwillig im neuen Leben einzurichten - im ein wenig aus Alltagszusammenhängen entrückten Ferienleben eben, das sich zwischen Schwimmbad, Ausflügen und ersten Partys abspielt und bei dem einander Mädchenrunden und Jungsgruppen vorsichtig näher kommen.

80er-Jahre-Revival

Das Spielfilmdebüt der jungen österreichischen Regisseurin Ulrike Schweiger, die gemeinsam mit Michael Tanczos auch das Drehbuch verfasst hat, schöpft dabei nicht zuletzt aus dem Erinnerungsfundus der "Wickie, Slime & Piper"-Generation (zu der im Übrigen auch La boum gehört, der hier durchaus als Referenzfilm dienen könnte).

Twinni rückt ausgiebig modische Accessoires, zeitgenössische Unterhaltungselektronik und andere Versatzstücke von Freizeitkultur ins Bild. Das bleibt oft sehr an der Oberfläche, verstellt den Blick auf die Figuren und deren Befindlichkeiten und Konflikte - zumal im Kontext anderer, erzählerisch avancierterer und atmosphärisch dichterer heimischer Arbeiten der letzten Jahre. Teilweise entstehen jedoch auch in Twinni stimmige kleine Rekonstruktionen einer nahen Vergangenheit.

Allerdings wird die Geschichte nicht nur in schlechtester Fernsehfilmmanier aufdringlich von Musik begleitet, sondern auch von einer Nebenhandlung durchsetzt, die immer wieder ins Lächerliche umzuschlagen droht: Jana, die über den Grund für den Umzug und vor allem über den Verbleib des Vaters im Unklaren gelassen wird, findet im örtlichen katholischen Pfarrer (Horst Backfrieder) einen Vertrauten. Damit nähert sie sich nicht nur einer bisher fremden Welt, die aus morgendlichen Messgängen und sonntäglichen Wallfahrten besteht, sondern rührt nebenbei auch an einer Männerdomäne: Ministrantin möchte sie werden. Und weil sie zufällig entdeckt, dass der Pfarrer ein Geheimnis in Gestalt einer kleinen Tochter hat, gelingt ihr das schließlich auch.

Wesentlicher bleiben dann aber doch die weltlichen Aspekte des Teenagerdaseins. Und trotz der Intrige einer Nebenbuhlerin wird Jana am Ende einen finden, der ihr von seinem Twinni die "richtige" Hälfte abgibt. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.9.2003)

Von Isabella Reicher

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Twinni

  • Artikelbild
    foto: allegro film/petro domenigg
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