Gute Gründe für den Bösenstein

    17. September 2003, 11:59
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    Hochalpin, aber wenig anstrengend: Eine Tour in den Rottenmanner Tauern

    Eigentlich müsste der Bösenstein in den Rottenmanner Tauern Pölsenstein heißen, denn an seinem Fuß entspringt der Pölsenbach. Bei der Erstellung des Grundkatasters unter Joseph II. aber hatten die Landvermesser ihre liebe Not mit den alpenländischen Idiomen, und so mutierte der Berg zum Bösenstein.

    Alle Bemühungen, ihn wieder umzutaufen, scheiterten, was nicht unbedingt als Nachteil anzusehen ist. Es hat sich längst herumgesprochen, dass der Bösenstein kein böser, sondern ein überaus schöner Stein ist, der zu Recht oft als Ziel einer Bergwanderung gewählt wird.

    Bei einer Runde über Kleinen Bösenstein und Hengst wandert man fast immer direkt auf dem Kamm und hat daher ungehinderte Sicht nach allen Seiten. In der Runde liegen die Gesäuseberge, die markanten Eisenerzer Alpen, das Tote Gebirge. Über die vielen benachbarten Gipfel der Niederen Tauern schweift der Blick bis zum Dachstein.

    Schon der Ausgangspunkt der Tour - die Scheibelalm mit Großem und Kleinem Scheibelsee - ist ein landschaftliches Juwel, in dem die streng geschützte Edelraute vorkommt, welche der dortigen Hütte den Namen gegeben hat.

    Die Tour auf den Großen Bösenstein bietet um diese Jahreszeit keine Schwierigkeiten, im Frühsommer jedoch sind einige steile Schneefelder gefährlich und verlangen besondere Vorsicht. Gutes Wetter aber braucht man für die Runde auf jeden Fall, denn auf dem freien Kamm kann starker Wind sehr unangenehm werden, zudem lässt sich die Tour kaum abkürzen. Da die Scheibelalm auf einer Mautstraße erreichbar ist und man bereits relativ hoch beginnt, halten sich auch die konditionellen Anforderungen in Grenzen. Die Ausrüstung aber muss der hochalpinen Region entsprechen.

    Die Route

    Von Hohentauern fährt man mit dem Auto bis zum Parkplatz unterhalb der Edelrautehütte und wählt dann die rote Markierung, die vorbei an der Hütte zum Abfluss des Großen Scheibelsees und in einen Sattel westlich des Hauseck führt. Nun geht es in den Hang, man quert eine steile Rinne und erreicht auf dem verblockten Grat den Gipfel. Gehzeit ab Parkplatz zwei Stunden.

    Auch der weitere Weg ist rot markiert. Es geht hinab in eine Scharte und im Gegenanstieg auf den Kleinen Bösenstein, dann folgt man dem langen Kamm bis zum höchsten Punkt des Großen Hengst. Gehzeit ab Großem Bösenstein 2 Stunden. Auf dem Langmann-Weg steigt man steil zu einem Rücken ab, von dem man wieder den Ausgangspunkt der Bergwanderung erreicht. Ab Großem Hengst eine Dreiviertelstunde. (DER STANDARD, Printausgabe vom 6./7.9.2003)

    Von
    Bernd Orfer

    Gesamtgehzeit 4¾ Stunden, Höhenunterschied rund 850 m. Kein Stützpunkt auf der Runde. Bundesamtskarte 1:25.000 od. 1:50.000, Bl. 130 (Trieben)

    • Artikelbild
      foto: tiscover
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