Bambus, Trendpflanze aus Fernost

30. März 2007, 13:21
posten

Einerseits erträgt die vielseitige Pflanze Temperaturen bis zu -25 Grad, andererseits stirbt sie durch zu viel Druck leicht ab. Der Wiener Botanische Garten sucht jetzt "Bambuspaten"

"Wenn Du Deinen Nachbarn nicht magst, dann wirf ihm ein Stück Bambus in den Garten" - dieses Sprichwort aus Mittelamerika verrät schon einiges über die Wuchsfreudigkeit von Bambus, der sich in den vergangenen Jahren zu einer Modepflanze entwickelt hat.

Im Botanischen Garten der Universität Wien ist man schon vor 100 Jahren auf den Bambus gekommen - und liefert mit einer der sechs dort kultivierten, frostharten Arten ein beeindruckendes Wachstumsbeispiel: "Die Pflanze wurde lange auf einer Fläche von ca. 100 m² gehalten, indem wir die frischen Triebe außerhalb der vorgesehenen Fläche abgemäht haben", berichtet Gartenleiter Frank Schumacher. "Seit circa sechs Jahren lassen wir den Bambus frei wachsen - und verzeichnen seither 50 m² Zuwuchs."

Die Gesamtfläche von rund 150 m² bedeckt also (vermutlich) eine einzige Pflanze der Art Phyllostachys viridi-glauce, die in ihrer süd/mittelchinesischen Heimat bis zu 16 Meter hoch wird und in Wien immerhin die stattliche Größe von acht Metern erreicht hat.

Vergleichbar mit Indischem Blumenrohr (Canna) befinden sich beim Bambus Rhizome - sozusagen das Herz der Pflanze - in der Erde, oberirdisch sind die Halme sichtbar. Die jungen Triebe, die im Frühjahr aus dem Boden sprießen, sind sehr empfindlich: "Steigt man in dieser Phase drauf, vernichtet man den Zuwachs der Saison; passiert das über mehre Jahre, stirbt die Pflanze", erklärt Schumacher.

Gleiches geschieht, wenn man häufig über die Rhizome läuft: Durch die Verdichtung des Bodens wird die Pflanze zumindest geschwächt. Um das zu verhindern und allzu eifrige Naturfreunde aus dem Bambushain herauszuhalten, wurden im Botanischen Garten Absperrungen errichtet.

Damit trotzdem alle BesucherInnen den Bambus auch "von innen" erleben können, soll nun ein Pfad auf kleinen Stelzen errichtet werden. "Ein Laufmeter Pfad kostet 35 Euro, und wir brauchen für die gesamte Fläche 45 Laufmeter plus zehn m² für eine Plattform zum Ausruhen", berichtet Schumacher. "Bisher haben wir 650 Euro gesammelt, können also 18,5 m bauen."

Ein zweites Ziel besteht darin, fünf Pflanzen der gleichen Art zu kaufen und zu pflanzen. "Denn obwohl unsere Pflanze schon über 100 Jahre alt ist und die Art alle 40-80 Jahre blüht, hat unser Bambus bisher nie geblüht", so Schumacher. "Die Blüte kann also jederzeit kommen, und dann stirbt die Pflanze oder zumindest ein großer Teil davon ab."

Um für diesen Fall mit Nachwuchs gerüstet zu sein, bietet der Botanische Garten Bambuspatenschaften für je 250 Euro an, mit der eine Pflanze hoher Qualität gekauft werden kann. Schumacher: "Natürlich könnten wir unseren Bambus vermehren, aber da es sich genetisch um gleiche Pflanzen - Klone - handelt, würden sie auch ohne Rhizom-Verbindung gleichzeitig blühen und sterben." (DER STANDARD, Printausgabe vom 6./7.9.2003)

Von
Marie-Therese Gudenus

Infos

Frank Schumacher, Tel. (01) 42 77-54190; Spenden: Kennwort HBV-Bambus, Erste Bank, 02445190, BLZ 20111

Link

botanik.univie.ac.at

Buchtipp: S. Crouzet/O. Colin "Bambus - Auswählen & Pfle- gen", Österreichischer Agrar- verlag, 96 Seiten, 12,90 €

  • Artikelbild
    foto: der standard
Share if you care.