Gerhard Berger nimmt in Monza Abschied

11. September 2003, 16:51
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BMW-Motorsportchef: "Man soll gehen, wenn es am Schönsten ist"

Monza - Gerhard Berger nimmt am Wochenende im Rahmen des Monza-Grand-Prix (vorerst) Abschied von der Königsklasse Formel 1. Nach insgesamt fast 25 Jahren Motorsport und 19 Jahren Formel 1 mit dem damit verbundenen "Vagabundenleben" (Berger) hat der Tiroler genug. Sein seit 1998 laufender Fünfjahresvertrag als BMW-Motorsport-Direktor läuft aus. Der 44-Jährige tritt ab sofort kürzer und widmet sich nun mehr seiner Ehefrau Ana sowie den Töchtern Christina (23), Sara (7) und Heidi (5).

Auch die derzeit tolle Performance des BMW-Williams-Teams (WM-Plätze zwei und vier für Juan Pablo Montoya und Ralf Schumacher) konnte Berger nicht mehr vom Weitermachen bewegen. "Man soll doch gehen, wenn es am Schönsten ist. Ich habe sehr lange mit dieser Entscheidung gerungen. Aber letztlich hat sich das Gefühl durchgesetzt, dass jetzt für mich persönlich der richtige Zeitpunkt zum Aufhören ist. Ich mag einfach nicht mehr so hektisch leben", stellte der zehnfache Grand-Prix-Sieger fest, der zwischen 1984 und 1997 210 WM-Rennen absolviert hat.

"Fünf tolle Jahre"

Auf seine Zeit bei BMW blickt der Österreicher sehr positiv zurück. "Ich hatte fünf tolle Jahre bei BMW. Wir haben viel auf die Beine gestellt und viele Erfolge erzielt. Der Le-Mans-Sieg 1999, der gute Formel-1-Einstieg, die ersten Siege, der zweite WM-Platz im vergangenen Jahr, dazu Siege in der Tourenwagen-EM und auch die Formel-BMW entwickelt sich sehr gut", lautet die positive Bilanz des Tirolers.

Neben der eigenen Familie wird auch die Tiroler Spedition seiner Eltern weiterhin eine wichtige Rolle spielen. "Ich habe miterlebt, wie meine Eltern die Firma groß gemacht haben, und momentan steckt dieses ganze Gewerbe in einer schwierigen Phase. Es geht um Arbeitsplätze, auch von Leuten, mit denen ich aufgewachsen bin. Insofern setze ich mich schon intensiv für die Spedition ein. Ich werde aber sicher nie Fulltime- oder Vollblut-Spediteur."

Hintertüre offen

Ansonsten lässt sich Berger noch ein kleines Hintertürchen zurück auf die Motorsport-Bühne offen. "Zuerst will ich mal schauen, ob und wie arg mir die Arbeit im Motorsport fehlt. Falls ich ohne die Formel 1 nicht klar komme, werde ich mich dort nach einer geeigneten Arbeit umschauen. Es gibt aber einiges, was mich unternehmerisch außerhalb des Sports interessiert. Immobilien beispielsweise", so Berger.

Wehmut macht sich hingegen im Formel-1-Lager breit, etwa bei Oberboss Bernie Ecclestone: "Ich kenne Gerhard seit 20 Jahren. In den frühen Jahren hatten wir dank ihm und seines verrückten Humors eine Menge Spaß. Inzwischen sind wir etwas vernünftiger geworden, aber es ist schön, sich an seine herrlichen Streiche zu erinnern."(APA)

  • Gerhard Berger tritt ab.

    Gerhard Berger tritt ab.

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