Leben mit chronischem Schmerz

15. September 2003, 13:14
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Maßnahmen beim Schmerzkongress in Prag vorgestellt

Wien/Prag - Leiden im Verborgenen, mangelnde Hilfe - So sieht laut Experten noch immer in vielen Fällen das Leben von Personen mit chronischen Schmerzzuständen aus. Beim europäischen Schmerzkongress vergangene Woche in Prag wurden wirksame Maßnahmen zur Behebung der Mängel in der medizinischen Versorgung von Schmerzpatienten gefordert. Vom 12. bis 19. Oktober sollen im Rahmen der "Europäischen Woche gegen den Schmerz" die Anliegen der Betroffenen noch mehr an die Öffentlichkeit getragen werden.

"Es gibt keinen Grund mehr, allein und schweigend zu leiden. Die Freiheit von chronischen Schmerzzuständen ist ein Recht und eine Notwendigkeit. Aber sie wird nur Realität werden, wenn das auch hart genug gefordert wird", erklärte der israelische Experte Univ.-Prof. Dr. David Niv von der europäischen Vereinigung der Schmerzgesellschaften (EFIC).

Ursachen

Gelenksschmerzen durch Abnützung (Arthrose), Gelenksrheuma, Nervenschmerzen, Herpes zoster, Rückenbeschwerden, Kopfweh inklusive Migräne-Attacken, Krebs, Angina pectoris, diabetische Nervenschäden, Trigeminus-Neuralgie - die Liste der Ursachen für dauernde Schmerzzustände ist lang. Gegen akute Beschwerden kann die Medizin recht gut helfen, doch bei den chronischen Schmerzen gibt es erheblichen Bedarf an wirksamen Gegenstrategien.

Dabei handelt es sich bei den dauernden Schmerzzuständen um echte Massenerkrankungen:

  • In Dänemark lag laut einer Untersuchung der Anteil der Patienten mit chronischen Schmerzen an der Gesamtbevölkerung bei 38 Prozent. 58 Prozent von dänischen Schmerzpatienten litten in der Folge auch an Depressionen.

  • 45 Prozent der Schweden leiden an solchen Symptomen, acht Prozent bezeichneten die Stärke als schwer.

  • In Großbritannien wurde der Anteil von Schmerzpatienten an der Gesamtbevölkerung in einer Region mit 50 Prozent erhoben. 16 Prozent waren auf Rückenschmerzen, ebenfalls 16 Prozent auf Gelenksbeschwerden zurückzuführen.

  • In Finnland sind 40 Prozent der Patienten, die einen Arzt aufsuchen, Schmerzpatienten.

  • Laut der Österreichischen Schmerzgesellschaft leben in Österreich rund 500.000 Menschen mit lang andauernden Beschwerden.

    Hilfe

    Die Fachleute gehen davon aus, dass es für 90 Prozent der Betroffenen Hilfe gäbe. Doch mangelnde Versorgungsnetze, nicht immer ausreichende Ausbildung der Ärzte und noch immer existierende Vorurteile gegen die Verwendung der wirksamsten Schmerzmittel (Opiate) schränken die Chancen der Patienten auf ein möglichst leidloses Leben ein.

    Niv: "In den vergangenen Jahren ist Europa aus dem 'dunklen Zeitalter' in der Bewusstseinsbildung und in der Schmerztherapie herausgekommen. Aber wir befinden uns noch immer in einer klinischen Wildnis. In vielen unserer Länder sind das Gesundheitssystem und die Ärzte noch nicht in der Lage, mit solchen Symptomen umzugehen. Das konfrontiert Millionen Leidender weiterhin mit den psychischen, ökonomischen und sozialen Auswirkungen ihrer Krankheit." (APA)

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