Subjektive Lärmempfindung

15. September 2003, 13:14
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An der TU Graz werden die psychischen Auswirkungen von Verkehrslärm durch einen "Lästigkeitsindex" untersucht

Graz - Steirische Wissenschafter untersuchen in einer neuen Studie die psychischen Auswirkungen von Verkehrslärm. "Nicht jedes Geräusch wird als gleich störend empfunden - dies hängt von der Art des Geräusches und vom Verursacher ab", erläuterte Kurt Fallast von der TU Graz. Bisher gilt als Kriterium für die Lärmbelastung der gemessene Schallpegel. Gemeinsam mit Medizinern soll nun ein "Lästigkeitsindex" erstellt werden, der auch die subjektive Lärmempfindung bei den Betroffenen einbezieht.

"Die Straßenplaner sind mit dem Latein am Ende", so Fallast. Die Grenzwerte für die Lärmbelastung der Anrainer wurden gesenkt, auf der anderen Seite steigt aber der Verkehr und damit auch das Lärmaufkommen. Die konventionellen Maßnahmen wie Lärmschutzwände werden zunehmend unwirtschaftlich, weil die Kosten explodieren und dennoch nur kleine Erfolge erzielt werden könnten, so der Verkehrsexperte. Die aktuelle Studie untersucht nun, unter welchen Umständen Geräusche als störend empfunden werden. Als Parameter gelten u.a. Pegel, Frequenz, Rhythmus, Art des Tones, An- und Abstieg des Schalls oder Dauer. In einen "Lästigkeitsindex" sollen diese Geräuschcharakteristika, das subjektive Empfinden und die körperlichen Reaktionen bei den Betroffenen einfließen, so Fallast.

Ablauf

"Erstmals werden Mediziner und Techniker gemeinsam das Phänomen Psychoakustik untersuchen", erklärte Fallast. Probanden werden zwei Geräusche vorgespielt und sie müssen bewerten, welche der beiden sie subjektiv als mehr oder weniger störend beurteilen. Parallel dazu untersucht Studien-Partner Egon Marth vom Hygiene-Institut der Universität Graz während der Tests die körperlichen Auswirkungen: Jedes Geräusch verursache Hormonausschüttungen, die z.B. mittels Temperatur- und Blutdruckmessungen feststellt werden können. Diese Ergebnisse werden dann mit dem subjektivem Lärmempfinden abgeglichen, beschreibt Fallast den Ablauf.

Die Messwerte, subjektiven Höreindrücke und körperlichen Reaktionen sollen schließlich in einer "Formel" verknüpft werden, welche die "Lästigkeit" oder den "Wohlklang" eines Geräusches beschreiben. Bereits jetzt werde Ähnliches in der Automobilbranche verwendet: "Ein Ferrari klingt für den Fahrer anders als ein Rolls Royce. Je nach Autotyp und Zielgruppe wird das Innengeräusch optimiert", so Fallast. Er forderte, dass dieser Ansatz quasi umgedreht und nach außen für den Verkehrslärm angewandt wird.

Längerfristiges Ziel der Bemühungen müsse es sein, über den "Lästigkeitsindex" jene Komponenten des Verkehrslärms herauszufiltern, die allgemein als besonders störend empfunden werden. Dagegen sollten dann gezielt technische Interventionen gesetzt werden. (APA)

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