Umfrage: Blairs Partei legt trotz Kelly-Affäre kräftig zu

9. September 2003, 15:45
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Labour erreicht Spitzenwerte wie vor Diskussion um irakische Waffen

London - Trotz der Kelly-Affäre hat die Labour-Partei des britischen Premierministers Tony Blair in den vergangenen Wochen deutlich an Popularität gewonnen. Nach einer am Montag in der "Times" veröffentlichten Umfrage unter 1.011 Erwachsenen käme Labour jetzt bei einer Wahl auf 39 Prozent der Stimmen, fünf Prozent mehr als Anfang August. Die Konservativen liegen bei 34 Prozent, die Liberaldemokraten bei 19 Prozent. Auch Blairs persönlicher Zustimmungswert verbesserte sich nach dieser Umfrage.

Labour steht nun wieder so gut da wie im Mai, bevor die Diskussion über die bisher fehlenden Massenvernichtungswaffen im Irak einsetzte und die Kelly-Affäre begann. Dies ist um so erstaunlicher, da die Regierung durch die richterliche Untersuchung zur Kelly-Affäre in der zweiten August-Hälfte ständig negativ in den Schlagzeilen war.

Die Tatsache, dass sich die Regierungspartei dennoch behauptet hat, wird von Meinungsforschern unter anderem auf die Schwäche der Opposition zurückgeführt. So seien die Konservativen unter ihrem weithin als farblos betrachteten Führer Iain Duncan Smith zu weit nach rechts abgedriftet, um wirklich eine Alternative zu sein.

Blair-Rücktritt für Fall von Verwicklung in Kelly-Affäre gefordert

Die britische Opposition hat Premierminister Tony Blair zum Rücktritt aufgefordert für den Fall, dass ihm eine direkte Verwicklung in die Kelly-Affäre nachgewiesen werden sollte. Falls Blair persönlich für den Umgang mit dem Waffenexperten David Kelly verantwortlich gewesen sei oder darüber Bescheid gewusst habe, müsse er zurücktreten, sagte Oppositionsführer Iain Duncan Smith am Montag in London. Kelly war als Quelle für einen umstrittenen BBC-Bericht genannt und acht Tage später tot aufgefunden worden.

"Ich war den Sommer über völlig schockiert und entsetzt über das, was über den Umgang mit Dr. Kelly bekannt geworden ist", sagte Duncan Smith dem Rundfunksender BBC. Blair solle auch zurücktreten, falls die Hutton-Untersuchungskommission zu Kellys mutmaßlichem Selbstmord zu dem Schluss komme, dass die Regierung die Bedrohung durch irakische Massenvernichtungswaffen aufgebauscht habe, um den Golfkrieg zu rechtfertigen.

Am 10. Juli war Kelly als Quelle eines kritischen Berichts des BBC-Reporters Andrew Gilligan zu irakischen Massenvernichtungswaffen identifiziert worden. Am 15. Juli musste Kelly deswegen vor einem Parlamentsausschuss aussagen. Drei Tage später wurde der Waffenexperte mit aufgeschnittenen Pulsadern aufgefunden. (APA)

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    Blair und New Labour gewannen in den vergangenen Wochen wieder deutlich an Popularität.

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