Pühringer: "Oberösterreichischer Kernaktionär steht"

10. September 2003, 10:22
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Alle Parteien treten für eine Beteiligung des Landes ein - Landeshauptmann Pühringer hat sich ein Vorkaufsrecht auf Anteile von Oberbank und RLB OÖ gesichert

Linz/Wien - In Oberösterreich hat der Poker um die Voestalpine nochmals an Schärfe gewonnen. Am Montag gaben sich die Landtagsparteien bei Pressekonferenzen zur "Causa prima" beinahe die Klinke in die Hand, parallel dazu "tagten" die Betriebsräte in einer außerordentlichen Sitzung. Streikpläne werden gewälzt.

VP-Landeshauptmann Josef Pühringer, der sich für eine Beteiligung der Landes Hypo und der landeseigenen Energie AG an der Voest stark macht, sagte, dass "ein oberösterreichischer Kernaktionär bereits steht".

Vorverkaufsrecht eingeräumt

Zusätzlich zu Pühringers Kaufabsichten hätten die Raiffeisenlandesbank Oberösterreich (neun bis zehn Prozent) und die Oberbank (6,5 Prozent) dem Land ein Vorkaufsrecht für ihre derzeitigen Voest-Anteile eingeräumt. "Zusammen mit der geplanten Aufstockung der Mitarbeiterbeteiligung auf über zehn Prozent wäre damit schon jetzt eine Sperrminorität gesichert", erklärte Pühringer.

In einer heute, Dienstag, anberaumten Sondersitzung des Landtages wollen SPÖ und FPÖ ein anderes Modell als Pühringer vorschlagen. SP-Landeshauptmannstellvertreter Erich Haider spricht sich weiterhin für einen Kauf von 15 Prozent direkt durch das Land Oberösterreich aus, um so "zumindest mit einer um 3,7 Prozentpunkte aufgestockten Mitarbeiterbeteiligung einen sicheren Kernaktionär zu schaffen".

Besserer Preis

Das Land solle der ÖIAG ein Angebot unterbreiten, das "deutlich über dem Preisband liegt, das sich die ÖIAG bei einem Börsenverkauf erwartet", erklärte Haider. FP-Landesparteiobmann Günther Steinkellner hat de facto idente Vorstellungen. Auch Steinkellner fordert, Oberösterreich solle 15 Prozent der Voest-Aktien kaufen, um zusammen mit der Mitarbeiterbeteiligung "die gewünschte Sperrminorität von 25 Prozent und einer Aktie zu erreichen".

Finanziert sollte dieser Kauf über Rücklagen des Landes in einer Höhe von rund 1,3 Mrd. Euro werden, von denen derzeit 700 Mio. zu einem Zinssatz von 2,5 Prozent an den Bund verliehen seien, erklärten die Parteiobmänner beinahe unisono. Auf die STANDARD-Frage, ob dieser gemeinsame Kurs eine mögliche Überstimmung der ÖVP in der Landesregierung zum Ziel hätte, antwortete Steinkellner: "Wir setzen uns an einen Tisch, um eine gemeinsame Oberösterreich-Lösung zu finden, nicht um irgendjemand zu überstimmen."

Grüne für Industriefonds

Oberösterreichs Grüne sehen die Sicherheit der Voest in der Gründung eines Industriefonds. Dieser sollte sich "intensiv am Börsenverkauf und der Wandelanleihe beteiligen, um gemeinsam mit der Mitarbeiterbeteiligung die Sperrminorität zu erreichen", sagte Klubobmann Rudi Anschober.

Im Unternehmen selbst ist man hinter vorgehaltener Hand entsetzt über die Pläne zur "Verländerung" der Voest. Seit langem fordert das Management den Rückzug des Staates aus dem Konzern. Wenn schon das Land einsteige, sagte ein Manager, dann über einen neutralen Fonds oder eine politferne Finanzholding.

Androsch: "Es wird immer absurder"

Der Industrielle Hannes Androsch spricht aus, was viele in der Voest denken: "Es wird immer absurder. Eine Verländerung der Voest kann man nur noch als Frotzelei bezeichnen. An Ineffizienz und Bürokratismus sind die Länder nicht zu übertreffen. Der Schuldige für das Chaos sitzt im Bundeskanzleramt." (Markus Rohrhofer, Michael Bachner, DER STANDARD Print-Ausgabe, 9.9.2003)

  • Auf Bund folgt Land: Eine oberösterreichische Sperrminorität scheint nach den Aussagen von Landeshauptmann Pühringer gesichert zu sein
    montage: derstandard.at

    Auf Bund folgt Land: Eine oberösterreichische Sperrminorität scheint nach den Aussagen von Landeshauptmann Pühringer gesichert zu sein

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