20.000 Soldaten und Polizisten sichern Konferenz

15. September 2003, 17:20
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Einsatz steht unter dem Motto "Toleranz und Entschlossenheit"

Cancun - Befürchtete Terroranschläge und Proteste von Globalisierungskritikern sollen die Teilnehmer der Ministerkonferenz der Welthandelsorganisation (WTO) nicht in Gefahr bringen. 20.000 Soldaten und Polizisten werden aufgeboten, um den Badeort in der Karibik zu schützen, darunter auch die Eliteeinheiten der Präsidentengarde. Gewaltsame Ausschreitungen wie während der letzten WTO-Treffen in Seattle (1999) und Genua (2001) will die mexikanische Regierung unbedingt verhindern.

Dabei kommt ihr die geographische Lage des Konferenzortes zugute. Cancun liegt auf einer 23 Kilometer langen, aber schmalen Insel in Form einer Sieben vor der Küste von Yucatan. Am Nord- und am Südende sind zwei Brücken die einzigen Verbindungen zum Festland. "Wenn die Brücken blockiert sind, ist das fast gelaufen", gibt sich ein Vertreter der Sicherheitskräfte selbstsicher.

"Warum nicht mit dem Fallschirm?"

Doch für Entschlossene dürfte Cancun nicht schwerer zu erreichen sein als manch anderer Konferenzort auf dem Festland. Die Sicherung der Küste, die in weiten Teilen aus vom Wasser aus leicht zugänglichen Sandstränden besteht, dürfte eine der Hauptaufgaben der mexikanischen Sicherheitskräfte werden. Und der eine oder andere WTO-Kritiker würde offenbar auch spektakulärere Annäherungswege nicht scheuen, um gegen die Organisation am Ort des Geschehens zu protestieren: "Warum nicht mit dem Fallschirm?", sagt ein junger Umweltaktivist. Die Chancen dürften aber gering sein. Wie bei internationalen Großereignissen auf Regierungsebene üblich, wird auch der Luftraum strikt überwacht und ist für jeglichen Flugverkehr von außen gesperrt.

Die mexikanische Polizei und die Armee galten lange Zeit als äußerst brutal. Ein wesentlicher Grund dafür war das Massaker auf dem Platz der drei Kulturen in Mexiko-Stadt, bei dem Dutzende oder vielleicht sogar hunderte Studenten 1968 im Kugelhagel der Sicherheitskräfte getötet wurden. Jahrzehntelang war das Thema ein Tabu. Dies änderte sich erst, als unter dem amtierenden Präsident Vincente Fox die Archive geöffnet wurden und eine historische und gesellschaftliche Aufarbeitung der Vorfälle einsetzen konnte.

Korrespondenten im Lande verzeichnen seit einigen Jahren eine sehr viel zurückhaltendere Strategie der Polizei. Auch wenn die Sicherheitskräfte bei jüngsten Demonstrationen mit "poli-cias, idio-tas!" beschimpft wurden, eskalierte die Lage nicht. Waffen und Schlagstöcke blieben an ihrem Platz.

"Toleranz und Entschlossenheit" lautet nun das von der mexikanischen Regierung ausgegebene Motto für den Umgang mit möglichen Störern in Cancun. Dies hatte sich bereits während der UN-Armutskonferenz in Monterrey im Norden des Landes sowie beim APEC-Treffen in Baja California im vergangenen Jahr als erfolgreich erwiesen. In beiden Fällen waren Nichtregierungsorganisationen ausdrücklich willkommen, gewaltsame Zwischenfälle gab es nicht. Auch jetzt sind die Globalisierungskritiker eingeladen. 980 Organisationen schicken Vertreter nach Mexiko. Die eine oder andere Protestaktion dürfte kaum zu verhindern sein, doch wäre dies nicht zuletzt auch Ausdruck eines gewandelten Selbstverständnisses der WTO. (APA)

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    Kriegsschiffe kreuzen vor dem Traumstrand von Cancun

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