Krieg im Irak folgt Kleinkrieg in Schweden

15. September 2003, 11:54
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STANDARD-Korrespondentin Åsne Seierstad in Schlagzeilen

Für den STANDARD berichtete Åsne Seierstad wochenlang aus Bagdad über den Krieg im Irak. Nun wurde sie mit Erscheinen ihres Buchs "Der Buchhändler aus Kabul. Eine Familiengeschichte" in Schweden selbst zum Thema.

Im Frühjahr 2002 lebte Seierstad fünf Monate bei einer Buchhändlerfamilie in Kabul. Deren Leben nach dem Fall der Taliban beschreibt sie anschaulich in ihrem neuen Werk. Was nicht jeder so toll findet: Der Schriftsteller und Vorsitzende des schwedischen Journalistenverbandes, Jan Guillou, griff Seierstad in der norwegischen Boulevardzeitung Verdens Gang und der größten schwedischen Tageszeitung an. Erlogen sei es, und: "Wenn man ihr Buch liest, fragt man sich ständig: Wie will die Autorin das wissen? Theoretisch wären 10.000 Seiten Notizen nötig gewesen, um das zu schildern, was sie beschrieben hat."

Seierstad dazu trocken: "Guillou hat schon früher schlecht von mir geredet. Ich sage dazu nur, dass alles wahr ist, was in dem Buch steht."

Der porträtierte Buchhändler sieht das offenbar ähnlich: Er droht mit Schadenersatzforderungen und Übersetzungsverboten, weil Seierstad Intimitäten und Geheimnisse preisgegeben und so seine Familie in Gefahr gebracht.

Im Mai erhielt Seierstad Norwegens Großen Journalistenpreis. Im Juni erschien ihr Buch "Tagebuch aus Bagdad. Alltag zwischen Angst und Hoffnung". (red/DER STANDARD; Printausgabe, 6./7.9.2003)

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