Gleichstellung als große Chance

19. Oktober 2003, 21:17
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In Österreich fällt in der Privatwirtschaft, aber auch im universitären Bereich der Frauenanteil in Führungspositionen immer noch gering aus - Die Wiener Consulterin Katharina Cortolezis-Schlager berät in Sachen Gender-Mainstreaming nun die Bildungsministerin

"Gleichstellung in Unternehmen sollte heute ein gesellschafts- und wirtschaftspolitisches Muss sein", stellt die Wiener Consulterin Katharina Cortolezis-Schlager gleich zu Beginn im Gespräch mit dem STANDARD klar. Cortolezis-Schlager ist im Frauenpolitischen Beirat von Bildungsministerin Elisabeth Gehrer und berät als solche die Ministerin in Gender-Mainstreaming-Fragen im Universitären Bereich.

Gender-Mainstreaming stellt im Prinzip eine Erweiterung der bisherigen Frauenpolitik dar. "Unter dem Begriff "Frauenförderung" wurde in den 60er-Jahren oft nur die rechtliche Gleichstellung von Frauen und Männern in allen Lebens- und Gesellschaftsbereichen verstanden", erzählt Cortolezis-Schlager.

Inzwischen habe sich gezeigt, dass alleine mit der Gleichstellung per Gesetz und der Gewährung von gleichen Zugängen zu Politik, Bildung, Beruf die tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter nicht erreicht werden könne.

Förderung wegen Defiziten

In den 80ern wurde Frauenförderung vor allem mit speziellen Programmen und Projekten betrieben. "Mit dieser Art von Frauenpolitik wurde leider all zu oft unterschwellig unterstellt, dass Frauen gegenüber Männern Defizite aufweisen und die Chancengleichheit zwischen den Geschlechtern einfach mit spezieller Förderung herzustellen ist", so die Consulterin weiter.

1998 wurde vom Europarat eine eigene Expertenkommission eingesetzt, deren Ziel es war, alle politischen Ebenen und Entscheidungsträger zu motivieren, ein umfassendes politisches Konzept für die Gleichstellung der Frau zu entwickeln und auch die Umsetzung zu garantieren.

Einen wirklichen Erfolg in Sachen Frauenförderung, so die Beraterin, gebe es derzeit lediglich in den skandinavischen Ländern. So habe Finnland bei einem groß angelegten Forschungsprogramm alle seine Ministerien einer "Frauenverträglichkeitsprüfung" unterziehen lassen. In Schweden haben einige Regionen und Gemeinden ihre Entwicklungskonzepte auf die Gender-Perspektive hin untersucht und verbesserte Förderungsmaßnahmen erarbeitet.

Im privatwirtschaftlichen, aber auch im universitären Bereich stecke man in Sachen "Gleichstellung" in Österreich noch in den Kinderschuhen. "Eine wissenschaftliche Karriere erfordert viel Konfliktbereitschaft. Frauen reklamieren sich zu selten in gute Positionen und trauen sich auch vieles nicht zu", sieht Cortolezis-Schlager den Grund dafür. Obwohl Frauen in Führungspositionen "eine große Chance" seien. Cortolezis zitiert beispielsweise Hewlett-Packard-Chefin Carly Fiorina.

In Österreich hat sich die Universität Graz in Sachen "Gleichstellung" einen Namen gemacht: Dort gibt es bereits eine "Selbstverpflichtung der Universität zu den Zielen der Gleichbehandlung und Frauenförderung", so Cortolezis-Schlager. Als erste heimische Universität verfüge Graz auch über ein finanzielles Anreizsystem zur Frauenförderung und über ein elaboriertes Angebot einer "gendersensiblen Personalentwicklung".

Aufbauen

Ziel des Frauenpolitischen Beirates von Ministerin Gehrer ist es daher, an den heimischen Universitäten in den kommenden Jahren gleich viel Rektorinnen wie Rektoren zu haben. "Wenn man den Nachwuchs fördert und aufbaut, könnte in acht Jahren das Ziel erreicht sein", sagt Cortolezis-Schlager.

Wissenschaftliche Karrieren würden sich - bedingt durch die kurzen Studienzeiten - immer rascher entwickeln; die Qualifikation der Frauen werde jedoch dadurch auch immer besser. (Judith Grohmann, DER STANDARD Printausgabe 30./31.8.2003)

  • Consulterin Katharina Cortolezis-Schlager
    foto: standard

    Consulterin Katharina Cortolezis-Schlager

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