Abgeschlagene heimische Forschung

12. September 2003, 20:03
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Ranking der am meisten zitierten Wissenschafter veröffentlicht - FWF warnt vor Überbewertung der Studie - mit Grafik

Wien - Wenn man die Anzahl von Zitaten in wissenschaftlichen Fachzeitschriften als einigermaßen objektive Möglichkeit zur Qualitätsbeurteilung von Wissenschaftern anerkennt, finden sich heimische Forscher im internationalen Vergleich weit abgeschlagen. Nach einem im US-Fachmagazin "The Scientist" veröffentlichten Ranking eines britischen Wissenschafters, über das ORF-On-Science berichtet, liegt Österreich, was die Anzahl der am meisten zitierten Wissenschafter angeht, gerade einmal an zwanzigster Stelle von 27 erwähnten Ländern. Unangefochten an der Spitze stehen die USA.

Die Beurteilung der Qualität von Wissenschaftern ist eine schwierige und höchst umstrittene Sache. Eine Möglichkeit ist das Zählen von Zitaten, also wie oft die von einem bestimmten Forscher veröffentlichten Artikel in der Fachliteratur Erwähnung finden. Das in Philadelphia (USA) beheimatete Institute for Scientific Information (ISI) veröffentlicht seit einigen Jahren die 100 meist zitierten Forscher ("Highly Cited") aus 21 Fachgebieten. Derzeit umfasst die Auflistung die Jahre 1981 bis 1999. Michael Batty, Direktor des Centre for Advanced Spatial Analysis am University College in London hat die Zahlen nun zum Anlass genommen, die "Geographie der Zitierungen" und damit ein Ranking der besten Länder, Regionen und Universitäten aufzustellen.

Zwei "Highly Cited"-Wissenschafter

In der Reihung nach Staaten findet sich Österreich mit insgesamt zwei "Highly Cited"-Wissenschaftern auf Platz 20, Namen nennt Batty allerdings nicht. Überlegen an der Spitze liegen die USA mit 815 Spitzenforschern, gefolgt von Großbritannien mit 100 viel zitierten Wissenschaftern. Auf Rang drei findet sich Deutschland (62), gefolgt von Kanada (42) und Japan (34). Gleichauf mit Österreich mit je zwei "Highly Cited" Top-Forschern sind Russland, Indien und Irland. Am untersten Ende des Rankings rangieren mit nur einem Spitzen-Wissenschafter Taiwan, Singapur, Portugal, Norwegen, Hongkong und Finnland.

Ganz vorne in der Regionen-Reihung findet sich die "Bay Area" um San Francisco u.a. mit den Unis Stanford oder Berkeley mit 96 "Highly Cited"-Forschern, gefolgt von Boston (89) und der Region um Washington D.C. (85). Graz und Wien kommen mit je einem viel zitierten Wissenschafter nicht unter die Top-100-Regionen.

Top-Unis

Auch bei der Reihung nach Institutionen liegen heimische Einrichtungen unter "ferner liefen". In dem Ranking werden aus Österreich nur das Institut für Experimentelle und Klinische Pharmakologie der Uni Graz (mittlerweile Medizin-Uni Graz) und die Technische Universität Wien erwähnt. Sie liegen auf Platz 277 bzw. 423, wobei für die Reihung all jener Institutionen mit nur einem Top-100-Forscher ab Platz 181 das Alphabet ausschlaggebend war. Die Top-Unis sind demnach die Harvard University mit 52 "Highly-Cited"-Forscher, die Stanford University mit 36, die University of California, San Diego mit 30, das Massachusetts Institute of Technology mit 26 und das National Cancer Institute (NIH) (alle: USA) mit 19 Spitzen-Wissenschaftern.

Warnung vor Überbewertung

Beim Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung (FWF) warnt man vor einer Überbewertung der Studie. "Erstens beruht das Ranking auf relativ alten Zahlen, die Leute sind teilweise schon in Pension, außerdem ist die Beurteilung des ISI nicht unumstritten", so Pressesprecher Laurenz Niel. Das System sei bekanntermaßen sehr Biomedizin-lastig und bevorzuge eindeutig die englische Sprache. Kritisiert wird an ISI außerdem der Monopol-Charakter der Einrichtung.

Andererseits sei das Spitzen-Ranking außerhalb der USA mit London und Zürich doch sehr plausibel. "Österreich wird sich schon anstrengen müssen, um im härter werdenden Wettbewerb bestehen zu können", so Niel. Beim FWF werden derartige Rankings nach reinen Zahlen weder für die Vergabe von Projektgeldern noch für Auszeichnungen verwendet, betonte Niel. (APA)

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    Grafik
    Top-Forschungsländer

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    Ein weiter Weg nach oben ... ein Ergebnis des Zitate-Rankings: In der Reihung nach Staaten findet sich Österreich mit insgesamt zwei
    "Highly Cited"- Wissenschaftern auf Platz 20.

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