Keine Schule - keine Zukunft

8. September 2003, 20:07
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Zwei Monate US-Kriegsmittel im Irak entsprechen Grundschulbildung bis zum Jahr 2015 für alle Kinder der dritten Welt

Keine Schule, keine Zukunft - für jedes sechste Kind in der Dritten Welt ist dieser Spruch die bittere Realität. Zum Weltbildungstag am 8. September präsentierte die Stiftung für Weltbevölkerung und internationale Zusammenarbeit aktuelle Zahlen und Prognosen.

Wien - Auf der ganzen Welt gibt es 680 Millionen grundschulpflichtige Kinder. 115 Millionen dieser Kinder erhalten keinen Unterricht, und zu 94 Prozent leben sie in Entwicklungsländern. Insgesamt gibt es 862 Millionen Analphabeten, zwei Drittel davon sind Frauen.

"No school, no future"

"No school, no future." Während in Europa der Sommer in geordnete Herbstbahnen mündet - Montag begann in weiten Teilen Österreichs das neue Schuljahr - bietet sich in den Ländern der Dritten Welt ein völlig anderes Bild: Jedes sechste Kind zwischen sechs und elf Jahren erhält keinen Schulunterricht.

Weltbildungstages am 8. September

Anlässlich des Weltbildungstages am 8. September lieferte die "Österreichische Stiftung für Weltbevölkerung und Internationale Zusammenarbeit" (SWI) aktuelle Zahlen und Prognosen: "Die Entwicklungshilfegelder, die direkt in den Bereich Bildung fließen, sind in den letzten zehn Jahren um ein Viertel von sechs auf 4,4 Mrd. Dollar zurückgegangen", erklärt Ulrike Plichta, Geschäftsführerin der SWI, die Defizite in der Bildungspolitik.

Lehrermangel

Parallel dazu stieg die Zahl der schulpflichtigen Kinder weltweit um rund ein Fünftel. Aids trifft auch Lehrer, durch ihren Ausfall vergrößert sich in vielen Ländern der Unterrichtsmangel zusätzlich.

Zwei Monate Krieg entsprechen Grundschulbildung bis zum Jahr 2015

"Würden pro Jahr 8,4 Milliarden Dollar rein in die Bildung investiert werden", erläutert Plichta Zahlen der Weltbank, "würde bis zum Jahr 2015 die Grundschulbildung für alle Kinder gewährleistet sein. 8,4 Milliarden Dollar, das entspricht zwei Monaten US-Engagement im Irakkrieg. Plichta fasst zusammen: "Wollen wir die Entwicklungsländer als gleichwertige Partner für die Zukunft nicht verlieren, dann müssen wir jetzt - und nicht erst in zehn Jahren - in die Bildungspolitik investieren."

Schon im Jahr 2000 verabschiedete das World Education Forum in Dakar ein Aktionsprogramm zur universellen Grundschulausbildung. Die mehr als vierzig betroffenen Staaten sind jedoch noch weit davon entfernt, dieses Ziel bis 2015 zu erreichen.

"Es ist im Grunde genommen ein ganz simples Rechenbeispiel", sagt Plichta, "zuerst muss man versuchen, die Kinderzahlen zu reduzieren, um dann in das Bildungssystem zu investieren." (nif, DER STANDARD Printausgabe 5.9.2003)

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