UTA greift Telekom Austria im Privatkundengeschäft an

15. September 2003, 00:48
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Kartellklage wegen Streichung des Telekom-"Minimumtarifs"

Wien - Der Telekomanbieter UTA greift den heimischen Platzhirschen Telekom Austria nun auch im Privatkundengeschäft auf der "letzten Meile" an. Mit dem seit Donnerstag erhältlichen entbündelten Telefon-und-Internetpaket "Family Complete" will die heimische Nummer zwei bei den Festnetzumsätzen vor allem Familien mit zwei Kindern ansprechen, die einen Telefonanschluss samt ADSL-Breitbandinternet aus einer Hand möchten.

Bis Jahresende 2003 will die UTA rund 2000 entbündelte Privatkunden haben, so UTA-Finanzvorstand Johannes Schwertner. Ziel ist es laut UTA-Kovorstand Romed Karre, "das Unternehmen sehr schnell profitabel zu machen". Man müsse "aus der Sparspirale herauskommen" und höhere Umsätze erzielen.

Jedenfalls werde heuer das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen positiv sein. Gleichzeitig kündigte Schwertner für den 1. Oktober eine Preisoffensive im Geschäftskundenbereich an.

Vorwürfe gegen Telekom-Regulierungsbehörde

Heftige Vorwürfe ritt Karre gegen die Telekom-Regulierungsbehörde RTR. Dass der Telekom Austria erlaubt wurde, mit dem Argument der mangelnden Kostendeckung den Minimumtarif zu streichen und die Kunden automatisch auf den Standardtarif umzustellen, gleichzeitig aber mit dem Tik-Tak-Tarif ein Telefoniepaket unter dem Standarpreis inklusive einer Stunde Gratistelefonie anzubieten, erzürnt Karre.

"Das muss mir einmal jemand erklären, warum die Telekom nach Eigenangaben in den vergangenen drei Jahren ihre Investitionen in das Festnetz halbiert hat, aber plötzlich das Netz nicht mehr kostendeckend ist", pflichtete Schwertner bei.

Der Verband der alternativen Telekom-Netzbetreiber (VAT) werde jedenfalls gegen die Streichung des Minimuntarifes "in nächster Zeit" eine Kartellklage in Österreich und eine Wettbewerbsklage in Brüssel einbringen.

Dabei müsse die Telekom der UTA eigentlich dankbar für die verstärkte Konkurrenz sein, denn durch die Entbündelung würde das Netz der TA besser ausgelastet, so Karre. Er hofft jedenfalls, dass die Telekom Austria die vom Regulator vorgeschriebene 21-Tage-Frist zur Entbündelung einhält. Wer sich für "Family Complete" entscheidet, soll den Dienst spätestens vier bis sechs Wochen nach Bestellung nutzen können. (APA, Der Standard, Printausgabe, 05.09.2003)

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