Der Rohbericht in der Schublade

8. September 2003, 22:10
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Rechnungshof wartete vergebens auf Antwort der Bühnen Graz

Graz - Papier ist bekanntlich relativ geduldig, doch die Geduld des Bundesrechnungshofs kennt ihre Grenzen. Dieser prüfte von Juni bis Dezember 2002 die Vereinigten Bühnen Graz. Im April dieses Jahres schickte man dann einen wenig spektakulären oder überraschenden Rohbericht an die damalige Intendantin Sharon Stone - mit der Bitte um eine Stellungnahme seitens der Bühnen.

Doch Stone, die im Frühling beschloss, ihre Arbeit in Graz drei Jahre früher als geplant zu beenden, legte den Bericht ab, ohne ihren Mitarbeitern von der erhaltenen Post zu erzählen. Ihr Vertrag wurde mit 31. August aufgelöst, und die Britin verließ Österreich in Richtung Texas, wo sie nunmehr als Opernintendantin in Dallas tätig ist.

Als nun der Rechnungshof vor wenigen Tagen bei den Bühnen nachfragte, wann eine Stellungnahme zu erwarten sei, kam die Gegenfrage, wann denn endlich der Rohbericht käme. Peter Nebel, der Verwaltungsdirektor der Theater Graz, erzählt dem STANDARD: "Wir haben uns auch schon gewundert, wie lange das dauert. Aber als Geprüfte können wir ja nicht urgieren, den Bericht zu bekommen."

Stone hatte der steirischen "Frau Landeshauptmann" Waltraud Klasnic Mobbing vorgeworfen. Ob sie den Bericht - der ihr im Übrigen weitestgehend gute Arbeit attestiert - ignorierte, weil sie enttäuscht und bitter von dannen zog oder weil sich die Ereignisse rund um ihre Abreise überschlagen hatten, weiß heute niemand.

Längst überholt

Nebel will die ehemalige Intendantin aber nicht mehr behelligen. Er und der jetzige Intendant Jörg Koßdorff müssen nun bis Mitte September eine Antwort auf den Bericht nachreichen. "Vieles ist ohnehin längst überholt", weiß Nebel. Etwa die Auslastung des Schauspielhauses, mit der Direktor Matthias Fontheim nur zu Beginn seiner Amtszeit 2000/01 Sorgen hatte. Sie ist mittlerweile von 61 auf 87 Prozent gestiegen. (cms/DER STANDARD; Printausgabe, 05.09.2003)

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