Auszüge aus dem Prüfbericht des Wiener Magistrats

1. Oktober 2003, 15:05
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"Lagerungswechsel erfolgt, wenn überhaupt, vierstündlich"

Wien - In der Diskussion um die schweren Missstände im Geriatriezentrum "Am Wienerwald" (GZW) in Lainz liegt nun der Prüfbericht des Wiener Magistrats vor. Nachdem zwei Beschwerdeführern bei der Behörde ihren Protest eingereicht hatten, führte die MA 47 am 23. Juli eine unangekündigte Kontrolle im GZW.

Dabei erfolgte eine stichprobenartige Einschau in die Pflegedokumente, eine Begehung der Station und die Überprüfung des Schwesternrufes.

Zitate aus dem Bericht:

  • - Vorwurf der zwei Beschwerdeführer: "Frau ... werde immer um 15.00 Uhr ins Bett gelegt. [...] Die Oberschwester habe gemeint, dass es aufgrund des Personalmangels teilweise nicht vermeidbar sei, die Patientin früh nachmittags ins Bett zu bringen."

  • - Die Beschwerdeführer weiters: "Eine Patientin, die auf die Toilette wollte, soll bis zu drei Stunden im Rollstuhl gewartet haben. [...] Es wäre vorgekommen, dass ein Pfleger eine Patientin, die auf die Toilette musste, im offenen Nachthemd barfuss zur Toilette gefahren habe. Dieser Pfleger habe sie dann bei einer Außentemperatur von unter 0 Grad trotz Läutens längere Zeit auf der Toilette sitzen lassen."

  • - Über eine Patientin in einem 7-Bett-Zimmer am 23. Juli: "Alle Patientinnen bis auf Frau ... waren im Bett, Frau ... befand sich halb liegend auf einem speziellen Rollstuhl vor dem Esstisch. [...] Die Füße waren geschwollen. Die Beine hingen ohne Stützen herunter."

  • - Über dieselbe Frau: "Die Patientin wurde offensichtlich schon lange nicht gebadet, das letzte Mal bestätigt in der Pflegedokumentation, am 13. Juni 2003. Sie hatte ungekürzte, schmutzige Hand- und Fußnägel, ungepflegte Haut, war unsauber gekleidet, hatte vermutlich seit längerem ungewaschene Haare."

  • - Zum Schwesternruf: "Der Schwesternruf wurde stichprobenartig überprüft, funktionierte optisch und akustisch. Eine Pflegeperson war nach wenigen Minuten zur Stelle."

  • - Zu den Pflegeberichten: "Die Pflegeberichte werden, teilweise mit Intervallen von bis zu 3 Wochen, nur sporadisch geführt, keine Wunddokumentationsblätter. Es gibt wenig aussagefähige, eher unübersichtliche Beschreibungen in interdisziplinär geführten Dokumentationsblättern".

  • - Zu Pflegenachweis und Lagerung: "Pflegedurchführungsnachweis (wer, wie, wann und wie oft Pflege und Wundversorgung durchgeführt hat) und Lagerungspläne unvollständig oder werden nicht geführt. Lagerungswechsel erfolgt, wenn überhaupt, vierstündlich"

  • - Zur Dokumentation von Flüssigkeitsgabe: "Flüssigkeitsbilanzen werde kaum geführt, stichprobenartig überprüft auch nicht bei einer Patientin mit Dauerkatheter und PEG-Sonde". (APA)
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