"Mehr Zaungast als Betroffener"

8. September 2003, 22:10
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Turrini-Stück "Endlich Schluss" als Opern-Uraufführung

Wien - "Endlich Schluss" heißt das Stück und entwickelt doch ein ganz erstaunliches Bühnenleben: Peter Turrinis 1997 im Akademietheater mit Gert Voss uraufgeführter Theater-Monolog kommt am 13. September im Wiener Semperdepot als Oper zur Uraufführung. Drei Jahre lang hat die "Neue Oper Wien" an diesem Projekt gearbeitet. Turrinis Lebensgefährtin Silke Hassler schrieb das Libretto und gab dem Solo eines einsamen Mannes, der den Countdown zu seinem Selbstmord hinunterzählt, ein neues dramaturgisches Gerüst. Der Wiener Wolfram Wagner (Jahrgang 1962) komponierte die Musik. Für die Ausstattung der Produktion, die sechs Mal gezeigt wird, konnte der bekannte bildende Künstler Günter Brus gewonnen werden.

"Mehr als der Titel und die Grundidee sind von meinem Stück nicht übriggeblieben, und ich denke, das ist gut so", kommentiert Peter Turrini in einem Brief an die Dramaturgin der Produktion die bevorstehende Premiere, bei der er "mehr Zaungast als Betroffener" sein werde. Das Libretto habe er "erst mit leichter Abwehr, dann mit wachsender Zustimmung gelesen. Mein Theaterkopf mußte sich auf das völlig andere, das Opernhafte, umstellen...".

Die Literaturwissenschafterin Hassler, die kürzlich ihr erstes eigenes Stück fertig gestellt hat, setzt die Hauptfigur (gesungen von Andreas Jankowitsch) in ein anderes Umfeld als im Turrini-Original. "Der Mann lädt Menschen, die in seinem Leben eine Rolle gespielt haben, zu sich ein, veranstaltet eine Party und verkündet seinen beabsichtigten Selbstmord als Witz", erzählte die Librettistin. "Als er das Spiel abbrechen möchte, wird aus dem Witz Ernst. Aus den Einzelfiguren wird ein Chor, der ihn in den Tod treiben möchte."

Party

Die Handlung findet in der Musik ihre Entsprechung: "Sie beginnt als Unterhaltungsmusik, als Party, und wandert auf einmal in die Seele des Protagonisten, von wo sie nicht mehr wegkommt", erläuterte Wagner, "sie zieht immer weitere Kreise in immer extremere Bereiche der Expressivität und unterstreicht dabei die ausweglose seelische Situation des Protagonisten." Von einer Herausforderung bei der Probenarbeit, die "auch psychisch nicht ganz unproblematisch" sei, sprach der Leiter der Gruppe "Neue Oper Wien" und Walter Kobera, der als Dirigent der Aufführung neben dem Sänger der Hauptpartie ein zehn köpfiges Vokalensemble und die 22 Musiker des Amadeus Ensemble-Wien leitet.

Im März 2004 wird die Produktion in Winterthur, im Juni auch in Bratislava gezeigt.

(APA)

S E R V I C E

"Endlich Schluss", Oper von Wolfram Wagner nach einem Libretto von Silke Hassler, Regie: Monika Steiner, Ausstattung: Günter Brus, Musikalische Leitung: Walter Kobera, Semperdepot, Wien 6, Lehargasse 6, Uraufführung: 13.9., 20 Uhr, weitere Aufführungen: 16., 17., 19., 20. und 23.9., 20 Uhr, Karten: 01 / 427 17,

NEUE OPER WIEN

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