UTA entbündelt Privathaushalte und senkt Tarife

16. September 2003, 13:22
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Geschäftskunden telefonieren netzintern gratis - Heftige Attacke gegen Telekom und Telekom-Regulator

Der Telekomanbieter UTA greift den heimischen Platzhirschen Telekom Austria nun auch im Privatkundengeschäft auf der "letzten Meile" - der Leitungsverbindung bis zum Kundenhaushalt - an. Mit dem seit Donnerstag erhältlichen entbündelten Telefon- und Internetpaket "Family Complete" will die heimische Nummer zwei bei den Festnetzumsätzen vor allem Familien mit zwei Kindern ansprechen, die einen Telefonanschluss samt ADSL-Breitbandinternet aus einer Hand möchten. Bis Jahresende 2003 will die UTA rund 2.000 entbündelte Privatkunden haben, so UTA-Finanzvorstand Johannes Schwertner.

Rasche Profitabilität als Ziel

Ziel ist es laut UTA-Co-Vorstand Romed Karre, "das Unternehmen sehr schnell profitabel zu machen". Man müsse "aus der Sparspirale heraus kommen" und höhere Umsätze erzielen. Jedenfalls werde heuer das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) positiv sein. "Alle anderen Kennzahlen möchte ich jetzt nicht kommunizieren", so Schwertner.

Preisoffensive

Gleichzeitig kündigte Schwertner für den 1. Oktober eine Preisoffensive im Geschäftskundenbereich an. Demnach telefonieren entbündelte Firmenkunden dann im UTA-Netz kostenlos, entbündelte und nicht entbündelte Kunden erhalten einen 35-Prozent-Rabatt für eine Auslandsverbindung ihrer Wahl und die Internetservices werden etwas überarbeitet.

"Family Complete"

Das Privatkundenpaket "Family Complete" inkludiert Festnetztelefonie, die innerhalb des UTA-Netzes kostenlos ist, sowie eine Internet-ADSL-Anbindung mit einer Downloadgeschwindigkeit von 1024 kbit/s und 10 GB Donwloadlimit zum Paketpreis von 59,90 Euro monatlich. Damit liege man deutlich unter den Preisen der Telekom Austria sowie des größten heimischen Internet-Kabelnabieters Chello, so Karre. Der Vorteil der für die UTA kostspieligen Entbündelung - genaue Angaben dazu wollte die UTA nicht machen - besteht darin, dass ein alternativer Telekomanbieter nicht mehr auf das Grundangebot der Telekom Austria angewiesen ist, sondern durch den Direktzugang in die Haushalte sein eigenes Angebot stellen kann und bei der Preisgestaltung auch keine Rücksicht auf die Grundgebühr der Telekom nehmen muss.

Investitionen von "knapp 30 Mio. Euro"

Für die Entbündelung der Privat- und Geschäftskunden hat die UTA insgesamt "knapp 30 Mio. Euro" an Investitionen veranschlagt, wobei heuer nur noch ein kleiner Teil dieses Betrages anfallen und die Entbündelung der Wählämter mit Jahresende 2003 "fürs erste" abgeschlossen sein soll. Bei den Entbündelungskosten für die Klein-und Mittelbetriebe hat die UTA laut Karre bereits den Break Even erreicht, bei den Privatkunden sollen sich die Kosten nach rund einem Jahr amortisiert haben. Derzeit hat die UTA nach eigenen Angaben 5.000 entbündelte Geschäftskunden, rund 300 sollen monatlich neu dazu kommen.

Vorwürfe

Heftige Vorwürfe reitet der UTA-Vorstand UTA, Romed Karre, gegen die Telekom-Regulierungsbehörde RTR. Dass der Telekom Austria erlaubt wurde, mit dem Argument der mangelnden Kostendeckung den Minimumtarif zu streichen und die Kunden automatisch auf den Standardtarif umzustellen, gleichzeitig aber mit dem Tik Tak-Tarif ein Telefoniepaket unter dem Standarpreis inklusive einer Stunde Gratistelefonie anzubieten, erzürnt Karre.

"Das muss mir mal jemand erklären"

"Das muss mir mal jemand erklären, warum die Telekom nach Eigenangaben in den vergangenen drei Jahren ihre Investitionen in das Festnetz halbiert hat, aber plötzlich das Netz nicht mehr kostendeckend ist", pflichtete UTA-Vorstand Johannes Schwertner bei. Der Verband der alternativen Telekom-Netzbetreiber (VAT) werde jedenfalls gegen die Streichung des Minimuntarifes "in nächster Zeit" eine Kartellklage in Österreich und eine Wettbewerbsklage in Brüssel einbringen.

Dabei müsse die Telekom der UTA eigentlich dankbar für die verstärkte Konkurrenz sein, denn durch die Entbündelung würde das Netz der TA besser ausgelastet und durch die Umstellungsarbeiten in den Wählämtern steige der Personalaufwand für die TA, so Karre. Er hofft jedenfalls, dass die Telekom Austria die vom Regulator vorgeschriebene 21-Tage-Frist zur Entbündelung einhält. Wer sich für "Family Complete" entscheidet, soll den Dienst spätestens vier bis sechs Wochen nach Bestellung nutzen können.

"Dramatische" positive Auswirkungen

Von der Entbündelung erwartet sich Karre jedenfalls "dramatische" positive Auswirkungen auf die Geschäftszahlen, seien doch bisher rund die Hälfte der Telekomkosten eines Kunden für die Grundgebühr aufgegangen, die nun bei der UTA landet. Außerdem erhoffe man sich Zusatzerträge durch Zusammenschaltungsgebühren, die Mitberber zumindest dann für die letzte Meile im UTA-Netz zahlen müssen. Derzeit sei das Netz der UTA zu "65 bis 70 Prozent" ausgelastet, einen starken Anstieg durch die Entbündelung erwartet sich Karre nicht, da Geschäftskunden insbesondere unter Tags das Netz nutzen, während Privatkunden primär zwischen 17.00 und 4.00 früh surfen würden.

Nach UTA-Angaben können mit den 105 entbündelten Wählämtern rund 45 Prozent der österreichischen Privathaushalte erreicht werden, Kooperationen mit regionalen Kabelnetzbetreibern, die ebenfalls Zugang zur "letzten Meile" haben, seien aber primär nur im Telefoniebereich vorstellbar. Anders sei das im Bereich Internet-Inhalte, wo man derzeit konkrete Kooperationsgespräche mit einer nicht genannten Firma führe.

590 Mitarbeiter

Bis Jahresende soll der Mitarbeiterstand der UTA bei 590 liegen, an weitere Kündigungen im größeren Ausmaß sei derzeit nicht gedacht. Die geplante Auslagerung des Callcenters harre derzeit den Dingen, da bisher noch kein österreichischer Anbieter gefunden wurde, der die Qualitätskritierien der UTA erfülle.(APA)

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