Wilder Winter

29. September 2003, 09:42
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Das zur Tod's-Gruppe gehörende Label Fay überrascht mit einer innovativen, verjüngten Kollektion und peilt nun auch den US-Markt an

Mr. Tod's alias Diego della Valle gibt sich keineswegs mit Luxusschuhen zufrieden: Er will mehr. Der ehemalige Jusstudent, Weltreisende und Erfinder der genoppten Luxus-Komfortschuhe der Marken Tod's und Hogan hat bereits vor 15 Jahren auch Freizeitmode entworfen. Unter dem Markenzeichen Fay wurden Sportjacken und Mäntel erst für den Mann, später im Unisex-Look und inzwischen auch für die sportliche Frau auf den Markt gebracht.

In den neuen Fay-Flagshipstores in Mailand und Neapel, aber auch in feinen Boutiquen rund um die Welt werden die neuen Fay-Modelle, ergänzt durch eine Kollektion an Herrenhemden und neuerdings auch Freizeithosen, trotz allgemeiner Krise mit großem Erfolg verkauft. Neuerdings ergänzen auch Handtaschen - vorrangig Reisegepäck - das Angebot.

Während die gesamte Modebranche unter Absatz-und Ertragssorgen leidet, konnte Fay 2002 den Umsatz um 29 Prozent und im ersten Halbjahr 2003 sogar um 51 Prozent auf 24 Millionen Euro erhöhen. Damit bestreitet Fay-Bekleidung bereits knapp ein Viertel des gesamten Tod's-Umsatzes.

Grund für die günstige Performance im Krisenzeitraum 2002 / 03 ist auch die Strategie, die das Unternehmen fährt. Im Gegensatz zu anderen Luxuswarenherstellern wie Prada oder Gucci, bei denen die Akquisitionen der vergangenen Jahre die Bilanzen belasten, verzichtete della Valle auf teure Übernahmen. Er befürwortet eine vorsichtige Schritt-für-Schritt-Expansion. "Tod's wird auch weiterhin ohne Akquisitionen wachsen", kommentiert er seinen Geschäftsplan.

Es gibt aber auch noch weitere Gründe, weshalb Tod's und Fay gegen den allgemein negativen Strom im Luxusgeschäft schwimmen: Das Kosten-Preis-Qualitäts-Verhältnis stimmt, die Abhängigkeit vom US-Markt ist nicht so groß wie bei anderen Luxuswarenherstellern, und der Vertrieb über die Monomarkengeschäfte der eigenen Konzerngruppe läuft auf Hochtouren. Als einer der ersten Modemanager hat Diego della Valle bereits in den Neunzigerjahren eingenähte und applizierte Taschen für die Kleidungsstücke propagiert: Er hatte den Handyboom im Voraus erkannt. Denn wo anders als in den Fay-Jacken mit ihren unzähligen Zipptaschen sind die kleinen Mobilfunks besser aufgehoben? Auch avancierten seine sportlichen Allzweckjacken zu idealen Begleitern für die immer mobileren Zeitgenossen.

Für die Wintersaison 2003 / 04 wurde nun die Fay-Kollektion ordentlich umgekrempelt. Die früher etwas braven Klassiker haben sich zu echten Hinguckern gemausert. Das kommt nicht von ungefähr. Diego della Valle, der sich inzwischen auch einen eigenen Fußballclub (Fiorentina) zugelegt hat und in das Bankgeschäft (Anteile an der Banca Nazionale del Lavoro) eingestiegen ist, will nämlich mit der neuen wilden Jackenkollektion den US-Markt erobern. Die Prognose ist günstig. Denn alles, was sich der ehrgeizige Unternehmer bisher in den Kopf gesetzt hat, konnte er auch realisieren. Stars wie Andie McDowell und Clint Eastwood haben bereits beim Filmfestival in Cannes Fay-Jacken getragen, auch Kevin Costner und Antonio Banderas zählen zu den Fans.

Die neuen Fay-Motorradjacken kommen in schwarzem, glänzendem Leder daher und werden mit vielen Silberzipps auf Figur gebracht. Auch die legendären Bikerjacken sind neuerdings in einer Jeans-Version bei Fay zu haben. Die kalkweißen Parkas mit zahlreichen aufgesetzten Taschen und vielen Reißverschlüssen zählen schon jetzt zu den Verkaufsfavoriten der Saison.

Für kühle Zeiten bieten sich auch die hüftlangen, taillenbetonten und wasserdichten Norton-Jacken mit Ziegenfellfutter an. Glamour stellt sich bei den schwarzen Samtmänteln mit eingearbeiteten Gilets ein, die mit fuchsiafarbenem Stoff gefüttert sind. Die vielfältige Jackenkollektion wird neuerdings durch Taschen wie etwa riesige Canvasbeutel mit verstellbaren Lederträgern ergänzt.

Rund die Hälfte der Investitionen von 13,5 Millionen Euro entfielen 2002 auf die Erweiterung und Modernisierung des Vertriebsnetzes. Fay soll eine weltweit vertriebene Marke werden. Den Anfang wird nächstes Jahr ein Store in Paris machen. (DerStandard/rondo/Thesy Kness-Bastaroli/05/09/03)

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