Ein Weltkulturerbe droht abzustürzen

11. September 2003, 20:43
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Quedlinburger Schlossberg bröckelt

Quedlinburg - Ein kaum vorstellbares Szenario sorgt in der UNESCO-Weltkulturerbestadt Quedlinburg für Angst und Unruhe: Der Schlossberg mit seinen teils einmaligen Kulturschätzen bröckelt und könnte einstürzen. Teile der Stiftskirche mit dem rund 1000 Jahre alten Domschatz und des Renaissance-Schlosses drohen, in die Tiefe gerissen zu werden. Jüngste Untersuchungen haben ergeben, dass unterirdische Wasseradern den steil abfallenden Sandsteinfelsen aushöhlen. Dies zu stoppen, ist eine nationale Aufgabe. Darin sind sich Denkmalschützer und Politiker einig.

"Hier muss rasch Hilfe her", sagt Ursula Schirmer von der Deutschen Stiftung Denkmalpflege in Bonn. Die Stiftung wolle sich beteiligen. Doch die 15 Millionen Euro, die nach Expertenschätzungen mindestens für die Sanierung notwendig sind, könne sie allein nicht aufbringen. Die Stiftung engagiert sich seit der Wende enorm in der Stadt im Harzvorland. Mehr als elf Millionen Euro wurden für verschiedene Projekte, darunter zur Erhaltung zahlreicher Fachwerkhäuser, bereitgestellt.

Problem dauerhaft lösen

"Der Sandsteinfelsen ist durch die Bautätigkeit in den vergangenen Jahrhunderten und auch durch Witterungseinflüsse kein monolithischer Block mehr", erläutert Martin Skiebe, Stellvertreter des Landrates von Quedlinburg. Es gebe dort Gänge. "Ein Konzept muss her, das nicht nur den Verfall stoppt, sondern das Problem dauerhaft löst", sagt Skiebe. "Die Zeit drängt, je länger gewartet wird, desto teurer wird es", mahnt er. Zwar seien seit den 70er Jahren des vergangenen Jahrhunderts an stark gefährdeten Stellen die Stützmauern erneuert worden, doch das seien nur punktuelle Lösungen gewesen.

"Rein technisch ist das Abstützen des Felsens kein Problem", sagt Frau Schirmer. Sie führt in diesem Zusammenhang die Rettung von Burg Hohlenfels in Rheinland-Pfalz an. Die auf Kalkfelsen errichtete Festung war akut einsturzbedroht. Nach eingehenden Untersuchungen wurde das Bauwerk aus den 14. Jahrhundert unter anderen mit speziellen Stahl- und Betontechniken gesichert.

Das Land Sachsen-Anhalt reagierte sofort auf die beunruhigende Kunde aus Quedlinburg. Es stellte 200.000 Euro für erste Sicherungsarbeiten bereit. Die Bundesregierung habe bereits Mittel für den Denkmalschutz in Quedlinburg zur Verfügung gestellt, heißt es aus dem Hause von Kulturstaatsministerin Christina Weiss (parteilos). So seien bereits im Jahre 1999 etwa 2,5 Millionen Euro unter anderen für die Sanierung des Schlossberges geflossen. Das bestätigt eine Sprecherin der Stadt Quedlinburg. Öffentliche Mittel und Hilfen der Denkmalschutzstiftung werden jedoch für die Sanierung des Schlossberges nicht reichen, sagt sie. Die Kommune setze deshalb auch auf private Spenden.(APA)

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