Tirol setzt auf Milch ohne Gentechnik

18. September 2003, 22:17
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EU-konformer Ansatz unterscheidet sich vom Bundesländer-Versuch ganz Oberösterreich zur gentechnikfreien Zone zu erklären

Innsbruck - In Tirol haben sich alle 720 Milchbauern der Bezirke Landeck und Imst in Kooperation mit der Tirol Milch für eine gentechnikfreie Produktion entschieden. Seit Dienstag wird in den Geschäften eine "kontrolliert Gentechnik-freie" Milch angeboten, mit fünf Cent Preisaufschlag. Tiere, Futtermittel und Molkereien werden von zwei Kontrollfirmen geprüft, die Kosten dafür übernimmt die Tirol Milch. Der Geschäftsführer der Arge Gentechnik-frei, Florian Faber, spricht von einem "ehrgeizigen Projekt".

Neuartig in der EU

Damit wird angeblich Neuland in der EU betreten: Ein streng abgegrenztes kontrolliertes gentechnikfreies Anbaugebiet dieser Größe gebe es noch nicht, sagt Ulrike Trumbl von der Konsumentenpolitischen Abteilung der Tiroler Arbeiterkammer, die Projekt und Produkt begrüßt. Die ebenfalls gentechnikfreien Bioprodukte werden auf kleineren Flächen erzeugt.

Der Ansatz ist zudem laut Trumbl EU-konform und unterscheidet sich von dem Versuch in Oberösterreich, das ganze Bundesland zur gentechnikfreien Zone zu erklären, den die EU-Kommission am Dienstag, wie berichtet, beanstandet hat. Die EU will nämlich die "Koexistenz" von biologischer, konventioneller und gentechnisch veränderter Landwirtschaft sicherstellen. Sie erlaubt und empfiehlt daher "Pufferzonen", die gentechnikfreie Gebiete vor dem Pollenflug schützen, oder eben freiwillige Zusammenschlüsse von Bauern. Generelle Verbote sind aber nicht zulässig.

Zur Absicherung des Projektes ist aber laut AK ein Landesgesetz vonnöten, das die Koexistenz - wie von der EU gefordert - regelt. Denn sobald die EU den Anbau von gentechnisch manipuliertem Saatgut erlaube, könnten Rinderzüchter, die keine Milchkühe haben, dieses Saatgut verwenden. Damit wäre das Projekt gefährdet. In dem Gesetz seien auch Mindestabstände für den Maisanbau festzulegen. Tirol Milch-Chef Hans Partl will künftig auch die Rinderzüchter in das Projekt einbinden.

AK-Chef Fritz Dinkhauser hat Agrarlandesrat Ferdinand Eberle "dringend" zum Handeln aufgefordert. Dieser hatte zuletzt keine rechtliche Kompetenz für das Land gesehen. (Benedikt Sauer, DER STANDARD Printausgabe 4.9.2003)

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