"Von Marzipan zu Döner

9. September 2003, 19:50
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Jeunesse-Festival 2003: "Orient Okzident" in Wien

Wien - "Das Fremde im Eigenen erkennen, das ist der Hintergrund der Geschichte." So stellte Matthias Naske, noch bis Ende September Jeunesse-Generalsekretär, heute, Mittwoch, der Presse das diesjährige Jeunesse-Festival "Orient Okzident" vor. Vierzehn Konzerte und fünf Vorträge finden an unterschiedlichen Orten - vom Naschmarkt bis zum Palmenhaus - vom 26. 9. bis 13. 10. statt, mit einem Budget von 150.000 Euro. Durchführen wird das Festival Naskes Nachfolgerin, Angelika Möser.

"Offen und rezeptionsbereit", so definiert Nakse sein Zielpublikum, denn "nicht das Alter macht den Menschen jung." Am Wiener Naschmarkt wird das Festival am 26. September mit einer großen Radioaktion eröffnet: In den Marktständen spielen 33 Musiker aus dem Orient, im eigens für diesen Tag angemeldeten Radiosender (Frequenz 93,4 MHz) macht die Künstlergruppe "thilges3" von morgens bis abends Programm. "Ein sehr konkreter Brückenschlag" zwischen Kulturen und Musikszenen, so Naske, wenn auch leider nicht weit über den Naschmarkt hinaus empfangbar.

Brückenschlag

Alle Veranstaltungen versuchen diesen Brückenschlag zwischen Orient und Okzident. So treffen bei der aserbaidschanischen Komponistin Frangis Ali-Sade die musikalischen Welten von Ost und West, von Mugam- und Dur-Moll-Tonalität aufeinander. Der Widerspruch ergibt das Neue, zu hören im Komponistenporträt mit dem Österreichischen Ensemble für Neue Musik am 2. Oktober im Konzerthaus. Auch musikalisch-literarische Wahlverwandtschaften sollen die Brücke schlagen: Goethes "West-östlicher Diwan" und Werke des persischen Dichters Hafis (1326 - 1389) sowie Vierzeiler des Mathematikers und Poeten Omar Khayyam (ca. 1045 - 1122) spannen die gedankliche Klammer für zwei Konzerte mit Liedern und Rezitation (7. und 8. Oktober).

Elektronik

Mikrotonalität, in der Musik des Ostens meist traditionell verankert, ist für die Musik des Westens großteils eine Neuigkeit. In einem Konzert am 10. Oktober spielen das Ensemble On Line Vienna und Instrumentalisten neuere westliche Kompositionen, die vom Einfluss der Mikrotonalität geprägt sind. An drei Montagen (29. September, 6. und 13. Oktober) verarbeiten "Elektronik nutzende Musiker," so Naske, das Thema als üppige Reise mit Sounds, Videos und Dias im Palmenhaus - jeweils ab 23 Uhr.

Hochkarätige Wissenschaftler aus Islamwissenschaft und Orientalistik beschäftigen sich in fünf Vorträgen mit dem Bild, das die eine Kultur von der jeweils anderen hat - "von Marzipan zu Döner". Stadt-Führungen zeigen die Spuren des Orients in Wien. Außerdem erscheint zur Bündelung des weiten Themas ein Almanach zum Festival. Mit einem Festivalpass um 40 Euro für Jugendliche und 75 Euro für Erwachsene lassen sich sechs Konzerte nach freier Wahl besuchen, natürlich sind auch Einzeltickets erhältlich.

Naske, ab 1. Oktober Intendant des neuen Luxemburgischen Konzerthauses Salle de Concerts Grande-Duchesse Josephine-Charlotte, blickt zufrieden auf seine sieben Jahre bei der Jeunesse zurück: "Das Produktionsvolumen hat sich um 100 Prozent gesteigert, inzwischen finden jährlich circa 600 Veranstaltungen statt, ein Großteil davon in den Bundesländern." Er habe die Organisation schrittweise stärker in den Jugendbereich geführt und den Netzwerkgedanken gestärkt.

Qualität

Am 26. Juni 2005 eröffnet das Luxemburger Konzerthaus. Naske tritt einen Fünf-Jahres-Vertrag an. Mit viel Fantasie gedenkt er dem neuen Haus ein Gesicht zu geben: "Sozialprestige ist dort sicherlich der erwartete Weg, aber ich bin nicht der, der das macht. Ich will nicht den Glanz bedienen, sondern die Qualität."

(APA)

S E R V I C E

Jeunesse Festival "Orient Okzident", 26. 9. bis 13. 10. Karten: 01 - 505 63 56;

Link

www.jeunesse.at

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