100 Prozent sind nicht genug

17. Dezember 2003, 13:33
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Laut Alfred Maydorn, Fondsmanager des H&A Lux DAC-Internet Fonds, existiert aber trotzdem keine Gefahr vor einer Überhitzung des Internetsektors

Die Euphorie im Internet-Sektor sprengt schon wieder alle Grenzen und die Aktien diverser Dotcom Unternehmen erreichen beinahe täglich neue Höchststände. e-fundresearch sprach mit Alfred Maydorn (34), Fondsmanager des H&A Lux DAC-Internet Fonds. Mit einer Performance von 120 Prozent seit Jahresanfang – das Volumen stieg seit Juni von 1,1 auf 5,1 Mio Euro an – gehört er zu den erfolgreichsten Managern auf diesem Sektor.

„Weit über 100 Prozent in den nächsten Jahren realistisch“

e-fundresearch: Ihr Fonds hat seit Auflegung im Frühjahr 2000 87 Prozent verloren, seit Jahresanfang 120 Prozent dazu gewonnen. Trotzdem fehlen dem Fonds noch über 650 Prozent um den Ausgabepreis zu erreichen. Werden das die Anleger noch erleben?

Alfred Maydorn: Ich berate den Fonds erst seit Februar 2003 und eine solche Performance zu prognostizieren wäre unseriös und ist auch nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass die Anleger mit diesen Titeln in der nächsten Zeit eine ordentliche Performance erzielen. Und hier halte ich etwa einen Gewinn von weit über 100 Prozent in den nächsten Jahren sehr realistisch. Nach dem Anstieg der letzten Monate ist die Einschätzung der Lage aber sehr schwer. Ich denke aber schon, dass diese Bewegung noch keine 20 Prozent von dem noch kommenden Anstieg ausmacht.

50 Prozent der Internetfirmen verdienen schon Geld

e-fundresearch: Was könnte diesen Anstieg auslösen? Immer mehr Leute surfen immer länger im Internet, etwa aufgrund der Breitband-Zugänge. Allein damit verdienen die Unternehmen aber nichts, oder?

Alfred Maydorn: Das denke ich eben gar nicht. Genauso wie sie das jetzt falsch sagen, haben auch viele andere Anleger unrecht. Bereits 50 Prozent aller börsennotierten Internetfirmen Geld verdienen – und das mit den unterschiedlichsten Geschäftsmodellen wie Werbung, bezahlter Content, Software-Verkauf, Breitband, Wireless, Suchmaschinen oder Auktionshäuser. Es gab schon Phasen, da wurden profitable Internetaktien mit einem KGV von zehn gehandelt. Weiters gibt es wenige Brachen die so wachstumsstark sind…

Unternehmensbewertung wie in klassischen Branchen

e-fundresearch: An welchen Kriterien bzw. Kennzahlen messen sie eigentlich den Erfolg von Internetfirmen? Gerade im letzten Boom war ja gerade das der Knackpunkt…

Alfred Maydorn: Da hat man seit der Situation 1998/99 sicher einen großen Vorteil: Jetzt weiß man welche Geschäftsmodelle sich durchgesetzt haben. Es gibt vernünftige Gewinn- und Umsatzzahlen und die Unternehmensbewertung läuft wie in klassischen Branchen auch: KGV, Gewinnwachstum, daraus gebildet die PEG (KGV in Relation zum langfristigen Gewinnwachstum) etc. Bei einigen unserer kleineren Unternehmen, und wir konzentrieren uns eben nicht auf die großen Amazon´s und Yahoo´s, kann die Suche nach der Information aber schon schwer sein. Und manchmal kauft man auch einen Wert und aufgrund des niedrigen Volumens gibt es dann plötzlich keine Analysten mehr

„Earthlink ist erschreckend billig“

e-fundresearch: Welche Firmen entsprechen denn derzeit ihren Kriterien? Was sind ihre größten Positionen?

Alfred Maydorn: Schon seit längerer Zeit haben wir Earthlink im Portfolio. Das ist - hinter AOL und Microsoft – der drittgrößte ISP (Internet Service Provider) in den USA. Die Aktie ist noch immer erschreckend billig obwohl sie seit April um 80 Prozent gestiegen ist. Das Potential ist aber noch überdurchschnittlich groß. Generell kaufe ich nur Aktien von denen ich mir 50-100 Prozent Kursgewinn erwarte. Weiters halten wir größere Positionen con PC-Tel (Telekommunikation), Airspan Networks und ITXC.

Allokation: USA und Europa zu Lasten Asiens übergewichtet

e-fundresearch: Welche Regionen bevorzugen Sie? Die leichten Anzeichen einer Erholung in Japan und der noch immer boomende Markt in China versprechen ja gerade in Asien eine gute Entwicklung auf diesem Sektor, oder?

Alfred Maydorn: Momentan habe ich gerade Asien untergewichtet und halte nur knapp zehn Prozent des Fondsvolumens dort. Bis Mai habe ich viel in China gemacht, jetzt aber nicht mehr. Generell bin ich Stock-Picker und achte wenig auf die Regionen-Allokation. Ich kann auch nicht in allen Märkten gleichviel und gleichzeitig Research betrieben, dazu reichen die Kapazitäten einfach nicht. Der Hauptmarkt ist sicher USA, dann Europa. Gerade in Deutschland spielt seit einigen Wochen wieder die Musik und das geht eben auf Kosten von Asien.

Viren sind positiv?

e-fundresearch: Welche Risiken bestehen derzeit? Erhöhen Virenattacken und Stromausfälle nicht das Rückschlagspotential, auch für ihren Fonds?

Alfred Maydorn: Im Gegenteil, Virenattacken sind für uns eher positiv. Ich habe mir im Rahmen dieser Vorgänge einige Sicherheitsfirmen angeschaut, leider aber noch keine gekauft. Rückschlagspotential ist natürlich immer gegeben. Trotzdem versuche ich das durch das Abbauen von stark gelaufenen Positionen abzufedern. Angst vor Überhitzung habe ich aber keine. Der Fonds ist im Moment zu 80 Prozent abgesichert und privat habe ich etwa auch in den Fonds investiert.

e-fundresearch: Vielen Dank für das Gespräch!

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