"Nicht alles war Theater"

9. September 2003, 11:11
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Die Kammerschauspielerin Susi Nicoletti ist 85

Wien - Romy Schneider, Heinz Rühmann, Nina Proll und Klaus-Maria Brandauer haben eines gemeinsam: Sie waren zumindest einmal ihre Filmpartner. Auch Senta Berger, Erika Pluhar und Klaus Wildbolz verbindet etwas: Sie wurden von ihr unterrichtet. Susi Nicoletti kennt sie alle - die Stars von gestern, von heute und auch so manche von morgen. Die Kammerschauspielerin feiert am Mittwoch ihren 85. Geburtstag.

"Susi Nicoletti war für Generationen stilprägend, sie ist eine Grande Dame der Schauspielkunst", würdigt Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (S) die Schauspielerin, die nach wie vor künstlerisch tätig ist. So spielte sie zuletzt unter anderem in der österreich-chinesischen Co-Produktion "Am anderen Ende der Brücke", bestach in der erfolgreichen "Alma"-Inszenierung von Paulus Manker und stand erst vor wenigen Tagen für den Fernsehfilm "Ein glücklicher Tag" als reiche Erbtante in Linz vor der Kamera (ORF-Ausstrahlung: 2004). Demnächst steht eine Fortsetzung der Taxi-Serie "Die schnelle Gerti" auf dem Programm.

Solotänzerin

Geboren am 3. September 1918 in München, als Tochter der Schauspielerin Consuela Nicoletti und des Reedereidirektors Ernst Habersack, übersiedelte Susi Nicoletti im Alter von drei Jahren mit ihren Eltern nach Amsterdam, wo sie bis 1927 lebte. Wieder zurück in München erhielt das Mädchen Tanzunterricht und besuchte so oft wie möglich das Theater. Bereits im Alter von 13 Jahren bestritt sie ihre ersten öffentlichen Auftritte: Sie tanzte kleine Rollen in Kindermärchen der Münchner Kammerspiele. Mit 15 Jahren erhielt Nicoletti einen Jahresvertrag als Solotänzerin an der "Münchner Opernbühne".

Zum Sprechtheater kam Nicoletti, als sie sich im selben Jahr der Kabarett-Gruppe "Die Weißblaue Drehorgel" anschloss und im Münchner Residenztheater statierte. Ein Jahr später besuchte sie die Schauspielschule von Magda Lina im Maximilianeum der bayerischen Hauptstadt. Es folgten mehrere Engagements an deutschen Bühnen, bevor die Mimin 1940 nach Wien ans Burgtheater kam. Dort debütierte sie in Hermann Bahrs "Der Franzl" als Partnerin von Paul Hörbiger. Neben ihren zahlreichen Bühnenrollen (allein an der Burg waren es an die hundert) drehte sie seit 1939 immer wieder Filme, insgesamt mehr als 90 (darunter "Hallo Dienstmann" oder "Mariandl") - denn "Nicht alles war Theater", wie sie ihre 1997 veröffentlichten Erinnerungen nannte.

Vom "Mädel" zur feinen Dame

Am Burgtheater (wo sie Ehrenmitglied des Hauses ist) und bei den Salzburger Festspielen (Debüt 1946 als Smeraldina in Goldonis "Diener zweier Herren") profilierte sich Nicoletti vom "Mädel" zur feinen Dame, wie etwa zur Marchesa (Pirandellos "Heinrich IV."). Im Laufe ihrer Karriere spielte sie mit vielen Großen des zeitgenössischen Theaters und Films.

Daneben hat die in zweiter Ehe mit Burg- und Josefstadt-Direktor Ernst Haeussermann (1916-1984) verheiratet gewesene Künstlerin auch als Tanz- und Schauspiellehrerin nachhaltigen Einfluss auf das heimische Bühnenleben genommen. Als ordentliche Professorin des Wiener Max-Reinhardt-Seminars (seit 1954) unterrichtete sie über 800 Schüler, darunter Heidelinde Weis, Ute Lemper, Albert Fortell oder den heutigen Burgtheater-Direktor Klaus Bachler.

Nicoletti wurde für ihr Schaffen mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem "Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst 1. Klasse", der "Ehrenmedaille der Bundeshauptstadt Wien in Gold", dem "Nestroy Ring" und mit der Lebenswerk-"Romy". (APA)

SERVICE

Der ORF gratuliert mit dem Film "Die Rosel vom Schwarzwald" am 31.8. (15.10 Uhr, ORF 2)
sowie mit dem Porträt "Susi Nicoletti - Mit Ernst unernst" am 7.9. (10 Uhr, ORF 2).

Auch der Radiosender Ö1 wiederholt Sendungen mit Nicoletti, am 9.9. um 20.31 Uhr "Hedda Gabler"

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