"Flugfaule" Waldrappe

8. September 2003, 18:44
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Seltene Ibisvogelart hat Forschungstruppe eines Wiederansiedlungs-Projekts Strich durch die Rechnung gemacht

Linz - "Flugfaule" Waldrappe - eine in Österreich vor Jahrhunderten ausgestorbene Ibisvogel-Art - erschweren ein Wiederansiedlungs-Projekt der Konrad Lorenz Forschungsstelle im Almtal in Oberösterreich. Die per Hand in Österreich aufgezogenen Vögel sollten zu Zugvögeln erzogen werden, wie sie es einst waren. Dazu sollten sie hinter einem Motordrachen her zum Winterurlaub in die Maremma in der Toskana in Italien gelotst werden. Doch die Tiere erweisen sich "flugfaul" und erheben sich immer nur für kurze Etappen in die Lüfte. Deswegen unternahmen sie die Reise nach Italien bisher großteils im Auto statt auf eigenen Schwingen.

Rechnung ohne die Vögel

Vor allem in den ersten Tagen habe man die Vögel nur sehr schwer für das geplante Vorhaben begeistern können, erklärte der Leiter der Forschungsstelle Grünau, Universitätsprofessor Kurt Kotrschal am Montag in einem Telefongespräch mit der APA live vom "Vogelzug". Der Experte begleitet die Tiere seit Beginn des schwierigen Experimentes am 17. August. Ursprünglich hätte man den Start - so Kotrschal - direkt von einem in der Nähe der Forschungsstelle gelegenen Flugplatz in Scharnstein (Bez. Gmunden) aus geplant.

Dabei hat man aber die Rechnung ohne die Vögel gemacht: Trotz mehrerer Versuche bewegten sich die an "all inclusive" gewöhnten Tiere nicht von der Stelle. "Die Grund dafür war wahrscheinlich, dass die Tiere die Umgebung zu gut kannten", erklärte der Experte. Kurzerhand packte man die "flugfaulen" Ibis-Vögel in einen Pkw und verfrachtete sie einige Kilometer weiter nach Windischgarsten (Bez. Kirchdorf).

Dort spielte vorerst der Wettergott nicht mit. Zwei weitere Tage musste man am Boden bleiben, erst am 20. August gelang der erste Start der Motordrachen - gefolgt von 21 Waldrappen. Doch nur kurze Zeit später waren die Vögel in Spital am Pyhrn schon wieder aus dem Sichtfeld der Piloten, was die Rückkehr zum Ausgangspunkt notwendig machte.

Ansatz zum Rückflug

Am 21. August kamen die Piloten samt Vögel wieder nur bis Spital am Pyhrn: Dort hätten die Vögel zu kreisen begonnen, was einen erneuten Rückflug nach Windischgarsten bedeutete, erklärte Kotrschal. Daraufhin wurde beschlossen, die Tiere wieder in einen Pkw zu verladen und man brachte sie zur nächsten geplanten Zwischenstation in Rosegg in Kärnten. Am 26. August schien das Glück bei einem erneuten Flugversuch auf der Seite der Wissenschafter zu stehen: Die Vögel folgten den Trikes, den Motordrachen, erstaunlich verlässlich durch Kärnten - vom Drautal über den Faakersee bis durch das Gailtal, die Landung am Flugplatz Nötsch erfolgte nach rund eineinhalb Flugstunden.

Pannen über Pannen

Die Glückssträhne war aber nur von kurzer Dauer: Die folgenden Tage, an denen eigentlich der Flug bis nach Italien bestritten werden sollte, waren gekennzeichnet von diversen Pannen: die Vögel flogen zu langsam, für die Bewältigung des Kanaltal reichte deshalb der Spritvorrat der Trikes nicht aus. Die nächste Etappe ins italienische Osoppo wurde deshalb am 28. August wieder per Pkw bestritten, dann folgte eine "Übersiedlung" auf dem Landweg nach San Dona' di Piave.

Unwetterbedingte Pausen

Die darauf folgenden Tage mussten die Forscher samt Vögel unwetterbedingte Pausen einlegen. Am 31. August klappte dann der Flug von San Dona' di Piave zum Meer. "Derzeit befinden wir uns - nach einem Flug entlang der Adriaküste - wohlbehalten und vor allem mit allen Vögeln am Lido von Venedig", erklärte Kotrschal via Telefon am Montag. Die Reise habe bisher gezeigt, dass sich - wie bereits vermutet - vor allem die Jungvögel besonders für solche Flugreisen eignen, da sie in jungen Jahren "leichter einem richtungsweisenden Flugbegleiter folgen", erklärte der Experte. Er hofft das Ziel in einer Woche erreicht zu haben. (APA)

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    Flugscheues Wesen: Die Waldrappe.

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