Heuer Rekord-Rückgang der heimischen Gletscher

9. September 2003, 20:29
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Eisdecke des Sonnblickkeeses in den Hohen Tauern verlor im Schnitt drei Meter Dicke - Höherer Verlust als im Rekordjahr 1947

Mit dem Ende des Rekordsommers und den ersten Schneefällen im Gebirge zog der Salzburger Gletscherforscher Heinz Slupetzky eine vorläufige Bilanz über den Gletscherschwund in diesem Jahr. Die Messergebnisse liegen zwar vielfach noch nicht vor, vom Stubacher Sonnblickkees in den Hohen Tauern wurde aber schon ein Negativrekord gemeldet: Das Eis schmolz hier stärker ab als im Rekordjahr 1947. Damals schrumpfte die Eisschicht um 2,7 Meter (pro Quadratmeter), heuer waren es bis Ende August bereits drei Meter.

3,8 Millionen Kubikmeter Eismasse verloren

Absolut verlor der Gletscher eine Eismasse von etwa 3,8 Millionen Kubikmetern. 1947 wurde zwar mit 4,5 Mio. Kubikmetern ein höherer Verlust verzeichnet, allerdings sei damals die Gletscherfläche noch deutlich größer gewesen, so Slupetzky in seinem letschertagebuch. Vergleichbar sei aber nur der spezifische Massenverlust, also die Menge pro Quadratmeter. "Das negative Rekord-Haushaltsjahr 2003 des Stubacher Sonnblickkeeses ist nach der Eintrittswahrscheinlichkeit ein Ereignis, das - über einen langen Zeitraum gesehen - nur alle 50 Jahre, vielleicht noch seltener auftritt", so Slupetzky, der seit 40 Jahren die Veränderungen des Eises beobachtet.

Felsstufen kommen zum Vorschein

Auch wenn die Ergebnisse von Messungen an vielen Gletschern noch nicht vorliegen, stehe schon fest, dass der Rekordsommer zu großen Volums-, Flächen- und Längenverlusten an den Gletschern geführt habe. Eine endgültige Bilanz sei erst nach dem September möglich, wenn sich eine schützende Schneedecke über die Gletscher gebreitet hat und auch liegen bleibt. Bei der Pasterze am Großglockner werde sich der größte Abschmelzbetrag an der Gletscherstirn heuer wohl den zehn Metern nähern, sagte der Forscher.

Beim Sonnblickkkees wird der Massenverlust noch verstärkt, weil in den letzten zwei Sommern an mehreren Stellen das Eis so dünn geworden ist, dass Felsstufen zum Vorschein kamen. Hier bricht das Eis auseinander und ist sandig verschmutzt, der Eisverlust wird beschleunigt. Das Zusammenbrechen von Hohlräumen ist auch an der Zunge der Pasterze und beim Obersulzbachkees zu sehen.

Am Gletscherende des Sonnblickkeeses entstand seit 1990 ein so genannter Eisrandsee, der heuer schon eine Länge von 203 Metern und eine Breite von 112 Meter erreicht hat. "Noch ist das Eis am Seerand zu dick und zu schwer, es ist aber abzusehen, wann Teile davon aufschwimmen und als Eisberge im See driften werden. Ein spektakulärer Prozess, aber für den Gletscher schlecht: Er verliert dadurch noch mehr an Masse und wird noch rascher kleiner", so Slupetzky. (APA)

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