Kopf des Tages: Jeffrey Lee Parson kommt der Hacker-Spaß teuer zu stehen

19. September 2003, 10:29
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Fast ausgeflippt soll Jeffrey Lee Parson sein, als er mitbekam, dass sich die US-Bundespolizei FBI in die Ermittlungen eingeklinkt habe, erzählt seine Freundin. Dabei scheint es jetzt, als ob der 18 Jahre alte Schüler gar nicht der Urheber des MSBlaster-Computerwurms gewesen sein soll. Lediglich modifiziert habe er ihn, gestand er bis jetzt. Seine Variante B verbreitete sich ab dem 13. August rasend schnell und infizierte Hunderttausende Rechner.

Fahrlässigkeit

Parson, der Freunden erzählt hatte, dass er nicht gewusst habe, welche Folgen seine Herumprogrammiererei haben werde, wird diese Fahrlässigkeit teuer zu stehen kommen. Das Manipulieren fremder Computer ist kein Kavaliersdelikt, donnerte US-Justizminister John Ashcroft. Der Strafrahmen, mit dem der Computerfreak zu rechnen hat: bis zu zehn Jahre Haft und eine Geldstrafe von mehr als 250.000 Dollar.

Statuieren eines Exempels

Dabei geht es auch um das Statuieren eines Exempels. Zu häufig wird die Wirtschaft durch die tagelange Computerhackerei pubertierender Jugendlicher in ihren Zimmern unter dem elterlichen Dach erschüttert. Für Amerikas Gesetzeshüter hat Computerkriminalität einen entsprechend hohen Stellenwert. Auf der Liste seiner zehn Prioritäten nennt das FBI die Bekämpfung von Hackern und Internetterrorismus an dritter Stelle.

Da kommt so etwas wie Mitleid auf mit dem Highschool-Schüler. "Er ist nur einer, der herumhängt", sagen seine Nachbarn über ihn. Er idealisiere Bill Gates und habe einen Hang zum schnellen Autofahren. Außerdem leide er unter seinem Gewicht - 140 Kilo bei 190 Zentimeter, so die Lokalzeitung "Star Tribune".

Zur gerichtlichen Anhörung erschien er mit wasserstoffblond gefärbten Haaren und einem T-Shirt mit der Aufschrift "Big Daddy", starker Kerl. Auf seinem Konto seien gerade einmal drei Dollar, so das Arbeiterkind aus dem Bundesstaat Minnesota.

Typischer "Geek"

Damit ist Jeffrey ein typischer "Geek", ein Computerfreak, der seine gesamte Freizeit am Rechner verbringt und in der Regel der Allgemeinheit auch das entsprechende Fachwissen voraushat. Geltungsdrang als Kompensation für Frustrationen im "realen" Leben nennen Psychologen eines der Motive für Hacker und Virenschreiber. Was Geeks außerdem von Normalsterblichen unterscheidet: Ihr gesellschaftliches Leben spielt sich hauptsächlich online ab.

Auch das ist ihm jetzt verwehrt: Er muss elektronische Fußfesseln tragen, und der Zugang zu Computer und Internet wurde ihm verboten. Zu Hause bei seinen Eltern steht kein Rechner mehr. Sieben Stück hatte das FBI beschlagnahmt. Das schnelle Ausforschen des PC-Freaks war darauf zurückzuführen, dass er sich kaum Mühe gab, seine Spuren zu verwischen. Fraglich, ob ihm das zugute gehalten wird. (Johanna Ruzicka/DER STANDARD, Printausgabe, 2.9.2003)

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