"Gedächtnis der Menschheit" erweitert

8. September 2003, 19:49
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Buchmalerei des Klosters Reichenau von der UNESCO ausgewählt

Bonn - Die rund tausend Jahre alte Buchmalerei des Bodensee-Klosters Reichenau gehört zum "Gedächtnis der Menschheit". Die erlesene Miniatur-Malerei des auf einer Bodensee-Insel gelegenen Klosters aus dem 10. und 11. Jahrhundert repräsentierten in herausragender Weise die ottonische Buchmalerei Deutschlands, begründete das Komitee zum "Weltgedächtnis" der Weltkulturorganisation UNESCO die Aufnahme. Die Entscheidung fiel am Wochenende in Danzig (Polen), wie die Deutsche UNESCO-Kommission am Montag in Bonn mitteilte.

Reichenauer Handschriften in verschiedenen Bibliotheken

Die so genannten Reichenauer Handschriften befinden sich verschiedenen deutschen und europäischen Bibliotheken. Dazu gehören die Bayerische Staatsbibiliothek München, die Staatsbibliothek Bamberg, die Hessische Landesbibliothek Darmstadt, die Stadtbibliothek Trier und der Aachener Domschatz sowie die Bibliothèque Nationale de France (Paris) und das Museo Archeologico Nazionale di Cividale del Friuli.

Insgesamt nominierte das Komitee zum UNESCO-Programm "Memory of the World" (Gedächtnis der Menschheit) 23 neue Einträge aus 20 Ländern in das Verzeichnis des Weltdokumentenerbes. Dazu gehören die früheste arabische Steinschrift in Saudi-Arabien, die alten Dongba- Manuskripte der Naxi-Minderheit im Südwesten Chinas, das Original der Erklärung der Menschenrechte von 1789, die Archivbestände der Niederländischen Ostindischen Gesellschaft, die "21 Forderungen" der Solidarnosz-Bewegung in Polen und die Menschenrechtsarchive Chiles von 1973 bis 1989.

91 Dokumente und Sammlungen im "Gedächtnis" enthalten, davon 5 aus Österreich

Das Weltgedächtnis umfasst jetzt 91 Dokumente und Sammlungen aus 45 Ländern. Darunter sind aus Deutschland neben der Reichenauer Buchmalerei noch fünf Beiträge: die Gutenberg-Bibel, der Stummfilm Metropolis, Beethovens 9. Sinfonie, Goethes Nachlass und die ältesten Tondokumente traditioneller Musik 1893-1952 (Edison Zylinder).

Österreichische Eintragungen betreffen den "Wiener Dioskurides" aus dem Besitz der Nationalbibliothek (eine pharmakologische Abhandlung eines Arztes aus der Antike), die Schlussakte des Wiener Kongresses aus dem Bestand des Österreichischen Staatsarchivs, den historischen Bestand des Phonogrammarchivs der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, die Papyrus-Sammlung der Österreichischen Nationalbibliothek und die Schubert-Sammlung der Wiener Stadt- und Landesbibliothek.

Dokumentarisches Erbe der Menschheit soll gesichert werden

Mit dem vor zehn Jahren gestarteten Programm des Menschheits-Gedächtnisses verfolgt die UNESCO das Ziel, das dokumentarische Erbe der Menschheit zu sichern. Kulturelle und historisch herausragende Dokumente sollen mit moderner Informationstechnik weltweit zugänglich gemacht werden. In Ergänzung des Weltkultur- und naturerbeprogramms setzt sich die UNESCO damit für den Erhalt des dokumentarischen Erbes in Archiven, Bibliotheken, Dokumentationsstellen, Museen, Gedenkstätten und anderen kulturellen Institutionen ein. Die Aufnahme in das Register verpflichtet auf der anderen Seite auch die Institutionen, für die Erhaltung des Erbes zu sorgen und den weltweiten Zugang mit Hilfe modernster Technologien zu ermöglichen. (APA/dpa)

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