Spaß mit Falschparkern

24. Dezember 2003, 15:01
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Natürlich ist die Sache absolut lächerlich. Aber vielleicht gehört es ja wirklich zu den Wesenszügen des Wieners, sich so zu benehmen, dass ...

... man als Deixfigur, Berufsquerulant, notorischer Besserwisser, und kleinlicher Bürgerinitiativler gute Figur machen könnte. Oder – wie "Falter"-Schreiber K. anlässlich seines privaten Kleinkrieges gegen ein Hundeklo unter seinem Schlafzimmerfenster sagte: "Langsam werde ich zur Spira-Figur." Aber: Das macht sogar Spaß. Vor allem seit B. mit im Spiel ist.

Die Sache ist die: Unter meinem Wohnzimmerfenster liegt eine T-Kreuzung. Gässchen trifft Straße. Ein paar Betriebe. Unter anderem einer, der Büroartikel verklopft und größere Postsendungen abwickelt. Außerdem am Set: Ein Café, eine Trafik, zwei Bushaltestellen, keine Parkplätze – und auf die Straße gezogene, abgeschrägte Gehsteige. Eine Bühne, die es tausende Male gibt. Nur haben wir – mein Nachbar G., ebenfalls Journalist, und ich – uns eingemischt. So richtig hausmeisterlich.

Gehsteigparker

Es begann mit einem Kleinlieferwagen. Der parkte eines Tages auf dem Ohrwaschel. Der Fahrer war Zigaretten kaufen und gönnte sich einen Kaffee. In Wirklichkeit irrelevant. Eine Lappalie. Blöderweise kam ein Kinderwagen just in dem Augenblick nur mit Mühe vorbei, als ich aus dem Fenster schaute. Meine Kamera lag neben mir. Eine Woche später hatten G. und ich eine Bildersammlung. Und die Oma mit dem Elektromobil, die Mutter mit dem Zwillingskinderwagen und der Mann mit dem Rollstuhl zogen den Kopf ein, wenn sie mit Mühe – oder gar nicht – vorbeikamen.

Irgendwann beschloss G. etwas zu tun. Erstens, weil ihm grad fad war. Zweitens, weil er ein sturer Hund sein kann. Die Broken-Window-Theorie, meinte er, gelte auch bei Gehsteigparkern: Er mailte Fotos an die liefernden Firmen. Mit der Frage, ob diese Platzierung denn gute Werbung sei. Die Antworten kamen prompt und fad: Man entschuldigte sich. Es werde nicht mehr vorkommen. Mein Part war es, die Bezirksvorsteherin zu aktivieren: Bilder von Pkws am Gehsteig, ein paar Zeilen. Schwuppdiwupp mailte die gute Frau zurück, dass das natürlich nicht gehe. Dass man über die Errichtung eine Ladezone reden müsse. Dass der Gehsteig geschützt gehöre. Durch Blumentröge, Poller oder sonstwas. (Natürlich ist nichts geschehen.)

G. wurde ob der Erfolge übermütig: Wir knipsten auch zweite Spur- und Bushaltestellenparker und schickten Mails. Bingo: Man entschuldigte sich und gelobte Besserung. Manchmal, wenn wir im Cafe an der Ecke saßen, versuchen G. und ich uns auszumalen, wie uns die Firmenchefs, Fuhrparkmanager und Logistikexperten wohl lautstark bedenken, während sie die wohlgesetzten Tut-Leid-Mails an unsere Büroadressen (zugegeben: von uns nicht ganz sauber – aber wer ist schon immer fair), verfassten. Uns fällt da eine Menge ein – und wir haben echten Spaß.

Hupkonzert

Dann kam B. Sein Lieferwagen parkte eines Morgens nicht am Gehsteig, sondern sperrte die kleine Gasse ab. Wir hätten das gar nicht bemerkt – aber die am Ins-Büro-Fahren gehinderten Autofahrer hupten herzerweichend. G. knipste. Ich schickte ein Mail an die auf der Ladebordwand stehende Adresse.

Wie stets, antwortete man uns prompt und höflich: Man sei nur eine Werbeflächenanmieter - also nicht zuständig – habe die Beschwerde aber weitergeleitet. Die Firma würde sich melden. Nur leider tat sie das nicht. Erst nach einem Erinnerungsmail, meldete sich Herr B. Wutschnaubend. Beleidigt. Es sei eine Zumutung, ihn zu kritisieren. Schließlich sei er Unternehmer, schaffe also (zwei) Arbeitsplätze und sei bereits wirtschaftstreibend, während wir schliefen ("Die Stadt pulsiert um diese Zeit bereits. Die Wirtschaft läuft auf vollen Touren", schreibt B.) Überhaupt erklärte uns B. wie der Hase läuft, gelten Regeln nur für andere: "Außerdem sollte es klar sein, dass es bei Zustellung ... zur Übertretung der Straßenverkehrsordnung kommen kann." Und außerdem wären wir an der falschen Adresse: Gehupt – also uns aufgeweckt - hätte schließlich nicht sein Fahrer, sondern die anderen Autos. Und das, "trotz Hupverbot in Wien".

Der gute Tipp

Weil B. aber doch serviceorientiert denkt, hat er uns einen Rat gegeben, wie auf rücksichtloses Parken reagiert werden solle: "Diese Übertretungen sollten Sie durch die Exekutivorgane regeln lassen" – und hat damit eine Freundschaft zerstört: G. will B.s Rat Folge leisten – anhand des Bildes von B.s Wagen. Ich bin dagegen. Weil es gerade anfängt, Spaß zu machen. Schließlich sollte man als anständige Spira-Figur nicht wegen jedem Schaß zur Polizei rennen.

Nachlese
--> Hollywoodschaukel
--> Ali Baba
--> Flashmobs

--> Abschied vom Dachschwimmbad
--> Lerchenfelder Straße
--> Gusis Gartenwall
--> Blumen des Bösen
--> Weitere Stadtgeschichten ...

Die wöchentliche Kolumne von Thomas Rottenberg

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